Kolumbien |

Steinmeier: "Kolumbiens neue Währung heißt Vertrauen"

Ausschnitt aus dem Denkmal für die gefallenen Soldaten in Bogotá, Kolumbien. Foto: Adveniat/Escher.
Ausschnitt aus dem Denkmal für die gefallenen Soldaten in Bogotá, Kolumbien. Foto: Adveniat/Escher.

Weit weg von der kolumbianischen Hauptstadt Bogota nahm Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) die historische "Friedensbaustelle" persönlich in Augenschein: In der Ortschaft Mesetas in der zentralkolumbianischen Provinz Meta versuchen sich Guerilleros, Armee und UN-Mitarbeiter in einer Entwaffnungszone an einem Zusammenleben.

"Hier muss sich der Friedensprozess an der Realität beweisen", sagt Steinmeier am Freitag, 13. Januar 2017, und warnte, Rachegefühle seien eines der größten Hindernisse auf dem Weg zum Frieden. Kolumbiens neue Währung sei gegenseitiges Vertrauen. Nur wenn dieses in ausreichender Menge zwischen den Konfliktparteien vorhanden sei, würde sich der Frieden dauerhaft durchsetzen, so Steinmeier.

Die Entwaffnungszonen sind Teil des Friedensvertrages zwischen Regierung und FARC, der nach einem schrittweisen Prozess am Ende von 180 Tagen abgeschlossen sein soll. Und sie sind ein spannendes Experiment, denn dort treffen ehemalige Feinde direkt aufeinander.

Steinmeier setzt ein deutliches Zeichen

Zwölf Stunden war Steinmeier in der Nacht zum Freitag nach Bogota geflogen, einen knappen Tag hielt er sich in Kolumbien auf. Dann ging es für den Kandidanten auf das Bundespräsidentenamt schon wieder zurück über den großen Teich. Ein strammes Programm - das Steinmeier aber allein schon deswegen absolvierte, um seine Anerkennung für den Friedensprozess in Kolumbien auszudrücken. "Das Land hat Geschichte geschrieben und ist ein Symbol der Hoffnung", sagte er. In einer Welt voller Krisen sei Kolumbien ein Beispiel dafür, dass es eben doch möglich sei, ein schwieriges Ziel zu erreichen. Da wollte der Außenminister mit einer seiner letzten Auslandsreisen noch einmal ein Zeichen setzen.

Zweiter Schwerpunkt des Kurzbesuches auf der anderen Seite des Atlantiks war die Eröffnung des deutsch-kolumbianischen Friedensinstituts "Capaz". Im "Museo Nacional" gaben Steinmeier und seine kolumbianische Amtskollegin Maria Angela Holguin in Bogota den Startschuss für das nach offiziellen Angaben mit rund 400.000 Euro jährlich vom Auswärtigen Amt geförderte "Instituto Colombo-Aleman para la Paz", wie die Einrichtung mit vollem Namen heißt.

Erkenntnisse für den Frieden weltweit

"Ich hoffe, dass hier auf dem Feld der Friedensforschung Erkenntnisse entstehen, die für andere Teile der Welt fruchtbar gemacht werden können", hatte Steinmeier zu Beginn seines Besuches gesagt. Getragen wird die neue Einrichtung durch eine "Allianz der kolumbianischen Universitäten für den Frieden" und der Justus-Liebig-Universität Gießen. Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) ist federführend mit im Boot.

Ziel des Instituts, das personell und organisatorisch noch aufgebaut werden muss, ist unter anderem die Unterstützung der kolumbianischen Zivilgesellschaft bei Konfliktforschung und -prävention. Regierung und Farc hatten sich Ende 2016 auf ein Friedensabkommen verständigt. Für seine Bemühungen wurde Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Der jahrzehntelange Konflikt zwischen Staat und Guerilla hat rund 300.000 Menschenleben gekostet, mehr als sieben Millionen Kolumbianer wurden zu Binnenflüchtlingen.

Quelle: KNA.