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Staudamm-Konsortium warnt vor Gewalteskalation

Das für den Bau des brasilianischen Megastaudamms Belo Monte verantwortliche Konsortium befürchtet eine Eskalation der Gewalt zwischen Bauarbeitern und protestierenden indigenen Staudammgegnern. Die Bauherren sollen bereits vor zwei Wochen einen entsprechenden Brief mit der Bitte um Maßnahmen an vier Ministerien geschickt haben, wie die Tageszeitung "Folha de S. Paulo" am Dienstag, 28. Mai, berichtete. Nachdem die Baustellen in den letzten Monaten mehrmals von Indigenen besetzt worden waren, bezeichnet das Konsortium die Lage in der Region als "extrem angespannt". Bisher hat die Regierung noch keine Maßnahmen verkündet.

Am Montag, 27. Mai, hatten 140 Indigene vom Munduruku-Stamm bereits zum zweiten Mal innerhalb eines Monats die Baustelle besetzt. Insgesamt konnte in den vergangenen zwei Jahren aufgrund von Besetzungen an 91 Tagen nicht gearbeitet werden. Die ursprünglich für Februar 2015 geplante Inbetriebnahme der ersten Turbine wird sich deshalb verzögern. Laut Medienberichten sollen die Besetzungen zudem bisher Mehrkosten von umgerechnet gut 400 Millionen Euro verursacht haben. Derzeit sind 23.000 Arbeiter in Belo Monte beschäftigt, bis zum Jahresende sollen es 28.000 sein. Der Belo Monte Staudamm wird nach seiner Fertigstellung nach dem chinesischen Drei-Schluchten-Damm und dem brasilianisch-paraguayischen Gemeinschaftsprojekt Itaipu der drittgrößte der Welt sein.

Kritik an dem Projekt kommt besonders von Indigenen, die ein Mitspracherecht und öffentliche Anhörungen zu dem Projekt verlangen. Durch die Aufstauung des Xingu-Flusses werden mehr als 500 Quadratkilometer indigener Urwald überschwemmt. Zudem wird der Xingu an einigen Stellen nicht mehr befahrbar sein. Auch sollen Umweltauflagen bislang nicht erfüllt worden sein.

Unterstützung in ihrem Kampf erhalten die Staudammgegner vom Indigenen-Missionsrat der katholischen Kirche, CIMI, und dessen Präsident Erwin Kräutler, dem Bischof von Altamira. In Altamira selbst soll gut ein Drittel der Stadt durch die Aufstauung überflutet werden. Staatspräsidentin Dilma Rousseff hält den Bau von Belo Monte für die Entwicklung und Erschließung der Amazonasregion dagegen für unabdingbar.

Quelle: KNA