Haiti |

Statt Blauhelme etwas Eigenes

Der Präsident wirbt für ein eigenes Heer. Ob er dem Volk damit etwas Gutes tut, ist mehr als fraglich. Währenddessen hat die UNO eigene Pläne für ihre Blauhelm-Soldaten im Land.

Haiti soll wieder eigene Soldaten haben. Immer wieder hat Präsident Michel Martelly diesen Wunsch geäußert. Am 18. November kündigte er an, eine Kommission werde innerhalb der nächsten 40 Tage ein Papier ausarbeiten, in dem die Kosten und Philosophie für eine neue Armee dargelegt werden sollen. Der Präsident hofft auf neue Arbeitsplätze und er möchte dem Land durch die heimische Truppe ein Stückchen Würde zurückgeben.

Das Geld könnte man sicher besser in andere Projekte investieren, als in den Aufbau militärischer Strukturen, hieß es seitens der Kritiker. Andere Stimmen forderten den Präsidenten dazu auf, sich auf die Stärkung der Polizeieinheiten zu konzentrieren. Deren Arbeit wird unter anderem auch aus Deutschland unterstützt, zum Beispiel indem die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit Uniformen, Medikamente oder Funkgeräte bereitstellt.

Für seine Ankündigung hatte sich Martelly den Jahrestag der Schlacht von Vertière ausgesucht. Diese gilt als Meilenstein im erfolgreichen Unabhängigkeitskampf der Haitianer gegen die Franzosen im Jahre 1803. Ein Tag der eine positive Botschaft mit bewaffneten Landsmännern verbindet.

Seit mehr als 15 Jahren ohne Armee

Weitaus negativere Erinnerungen werden viele Inselbewohner hingegen mit der jüngeren Geschichte der eigenen Streitkräfte verbinden. 1995 hatte der damalige Präsident Jean-Bertrand Aristide die Armee abgeschafft. Ihre Mitglieder hatten sich in Wahlen eingemischt, Menschen ermordet, um eigene Ziele voranzutreiben, und Präsidenten gestürzt. Die UNO schickte schon Anfang der 1990er Jahre die ersten Blauhelme nach Haiti, um Wahlen zu überwachen und die Situation im Land zu stabilisieren.

Allerdings werden auch die Soldaten der UNO immer öfter kritisiert. Seit dem Beginn der Stabilisierungsmission der Vereinten Nationen in Haiti (MINUSTAH), die 2004 startete, gab es einige Zwischenfälle. Die jüngsten, großen Skandale: Es deutet alles daraufhin, das nepalesische UNO-Soldaten die Cholera nach Haiti gebracht haben und uruguayischen Soldaten wurde die Vergewaltigung eines Haitianers vorgeworfen. Es folgte ihr Abzug aus Haiti und eine Verurteilung vor dem Militärgericht.

Mit weniger Soldaten weiter trotz Ablehnung

In diesen Tagen berät das Parlament in Uruguay über die zukünftige Teilnahme an der Mission in Haiti. Der Plan lautet bis jetzt: ab Anfang Dezember werden weniger Soldaten vor Ort sein und diese sollen regelmäßig den Einsatzort wechseln. Dadurch soll verhindert werden, dass die Soldaten persönliche Beziehungen zur Bevölkerung aufbauen, denn diese hätten in der Vergangenheit eventuell zu den Vorfällen in Port Salut beigetragen, heißt es aus Militärkreisen.

Das Mandat für MINUSTAH wurde vor einigen Wochen von oberster Stelle bis zum 15. Oktober 2012 verlängert. Es war nicht das erste Mal, dass die UNO trotz Protesten in Haiti und aus dem Ausland eine Fortführung der Mission beschloss. „Fast die Hälfte der Trümmer sind bereits beseitigt“, sagte Nigel Fisher, der bei den Vereinten Nationen für Haiti zuständig ist. Er lobte die Erfolge der MINUSTAH am Dienstag vor Pressevertretern. Es sei garantiert, dass sich die Wohnsituation weiter verbessern werde, genauso wie die Behandlung von Cholera-Patienten. In der Vergangenheit wurden die MINUSTAH-Soldaten als Besetzer beschimpft. „Für die Mehrheit der Haitianer ist das kein Thema. Die Kritik äußern in erster Linie politische Eliten und die Medien“, erklärte Fisher.

Während das Verbleiben der Blauhelme also für das nächste Jahr gesichert ist, bleibt unklar, ob Martelly die Bildung einer eigenen Armee durchsetzen können wird und welche Aufgabe die Soldaten überhaupt im Land übernehmen sollte.

Autorin: Julia Mahncke