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Stadtviertel "€žLa Malinche"€? für Schnellstraüe geräumt

In der mexikanischen Hauptstadt wurden in den Morgenstunden des 4. Januar die noch verbliebenen 52 Familiengrundstücke im Stadtviertel „La Malinche“ im Süden von Mexiko-Stadt von 300 Angehörigen der Polizei-Spezialeinheit der "Grenaderos" geräumt, berichtet die Nachrichtenagentur púlsar. Die meisten Familien hatten bereits 2010 ihre Häuser verlassen. Das Viertel soll einer Schnellstraße weichen, für die auch einer der letzten Wälder im Stadtgebiet der Metropole weichen soll. Etwa 60.000 Bäume müssten gefällt werden, so Rafael Martínez, Sprecher des Bürgerbündnisses gegen den Bau der Schnellstraße.

Räumung trotz fehlender Genehmigungen

Das Bündnis wirft den Behörden vor, mit der Räumung vom 4. Januar Tatsachen zu schaffen, obwohl noch nicht alle Genehmigungen der Behörden vorliegen, erklärte María José Zamarripa, ebenfalls Sprecherin der Bürgerbewegung gegenüber der mexikanischen Tageszeitung Milenio. Arbeiter hätten unter dem Schutz von Sicherheitskräften mit dem Abbruch von mindestens 52 Häusern begonnen. Die Bürgerbewegung beschuldigt zudem staatliche Stellen, dass kriminelle Banden eingesetzt worden seien um die Bewohner zu bedrohen und sie so zur Einwilligung für die Umsiedlung zu drängen. Offizielle Stellen bestreiten dies.

Bürgerbündnis kritisiert Menschenrechtskommission

Zur noch ausstehenden Untersuchung durch die Menschenrechtskommission des Hauptstadt-Distrikts erklärte Zamarripa, das Bündnis habe nur unzureichende Informationen dazu erhalten. Außerdem sei das Personal der Menschenrechtskommission, das die Situation vor Ort dokumentieren soll, erst sehr spät zur Räumung dazugekommen und wieder verschwunden, als die Spezialeinheit der Polizei auftauchte, so Zamarripa gegenüber Milenio.

Die Gegner der Schnellstraße forderten den Bürgermeister der Hauptstadt Marcelo Ebrard Casaubon dazu auf, einen runden Tisch einzurichten, um die Konflikt zu lösen. Sie behielten sich zudem vor, eine Klage vor der Interamerikanischen Menschenrechtskommission einzureichen, so die Nachrichtenagentur púlsar. (bh)