El Salvador |

Staatlicher Schutz für Menschenrechts-Archiv

Die Regierung in El Salvador erwägt nach Medienberichten, das Archiv des Ende September überraschend geschlossenen Menschenrechtsbüros des Erzbistums von San Salvador zum Nationalen Kulturgut zu erklären. Damit würde der Schutz der Dokumente in staatliche Hände übergehen. In einer am Mittwoch veröffentlichten Stellungnahme des Kultursekretariats des salvadorianischen Präsidentschaftsamtes dankte die Regierung des mittelamerikanischen Landes der katholischen Kirche für die Menschenrechtsarbeit des Büros. Nun sei es aber notwendig, das Archiv zu schützen und weiterhin zugänglich zu machen.

Das Erzbistum San Salvador hatte Ende September überraschend das Menschenrechtsbüro geschlossen. Nach heftigen Protesten kündigte Erzbischof Jose Luis Escobar Alas eine Neustrukturierung der Menschenrechtsarbeit an, die künftig in einem Dokumentationszentrum zusammengefasst werden solle. Kritiker befürchten, dass das Archiv mit den Dokumenten über zahlreiche Menschenrechtsverletzungen während des Bürgerkrieges verloren gehen könnte.

Aufklärung von Verbrechen

Das international anerkannte Menschenrechtsbüro war 1982 gegründet worden, um die Hintergründe des Attentats an San Salvadors Erzbischof Oscar Arnulfo Romero (1917-1980) sowie Verbrechen während des Bürgerkrieges in El Salvador (1980 bis 1991) aufzuklären. Den Ursprung aber hatte das Büro schon 1977, als Romero die Anlaufstelle für Opfer von Menschenrechtsverletzungen ins Leben rief.

Bis heute hätten die Mitarbeiter mehr als 50.000 Hinweise erreicht, heißt es in lokalen Medienberichten. Romero wurde als Anwalt für die Rechte der Armen und Unterdrückten über die Grenzen Mittelamerikas hinaus bekannt. Die Hintergründe seines Todes sind bis heute nicht vollständig aufgeklärt. Der Chef der vatikanischen Glaubenskongregation, Erzbischof Gerhard Ludwig Müller, hatte im Juli eine baldige Seligsprechung Romeros in Aussicht gestellt.

Quelle: KNA