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Staatenmehrheit für Legalisierung von Koka-Kauen

Ganz Bolivien wartet auf die Bestätigung inoffizieller Angaben des Büros der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNDOC). Nicht bestätigten Angaben zufolge hätten sich bisher nur 14 Staaten gegen die vom Außenministerium in La Paz beantragte Ausnahmeregelung zur Legalisierung des traditionellen Acullico-Kokablatt-Kauens ausgesprochen hätten, so bolivianische Medien am Donnerstag Abend, 10. Januar.

Damit wäre in Bolivien das seit 1961 international geächtete Kauen von Blättern des Koka-Strauchs auf bolivianischem Territorium wieder legal. 2011 hatte Bolivien das UN-Einheitsabkommen über verbotene Substanzen von 1961 aufgekündigt und beim UNDOC-Büro in Wien den Antrag zur Acullico-Ausnahmeregel gestellt. Laut Reglement können diese Anträge nur mit Stimmen von 62 Staaten verhindert werden, also Zweidrittel der 184 UNDOC-Mitgliedsstaaten. Die Frist dafür war am 9. Januar 2013 um Mitternacht New Yorker Zeit offiziell abgelaufen.

Zunächst hatten die Industriestaaten USA, Großbritannien und Schweden gegen den bolivianischen Vorstoß ihr Veto erhoben. Es folgten Russland, Deutschland, Frankreich, Kanada, Italien, Niederlande, Finnland, Portugal, Israel, Irland und Litauen. »Ja, eine Gruppe von Ländern sind dagegen, ein weiterer Teil rein politischer Entscheidungen«, kritisierte Vizepräsident Álvaro García Linera die Regierung der Vereinigten Staaten in Washington. »Anderen wiederum mangelte es wohl an Informationen«, so Linera.

Acullico ist eine uralte Kulturpraktik in den Anden. »Wir haben das der ganzen Welt erklärt, es handelt sich um eine rituelle und medizinische Nutzung des Kokablatts. Solange es Bolivianer und Leben auf dieser Welt gibt, bleibt Koka Teil unserer Kultur«, sagte der Vizepräsident und verwies auf internationale anerkannte Erfolge bei Boliviens Antidrogenpolitik. Die Veto-Staaten sehen in Koka vor allem den Grundstoff für Kokain. Auf eine Parlamentsanfrage zum Thema hatte die Bundesregierung geantwortet, Kokakauen sei dafür geeignet, »die drogenpolitisch bindende Wirkung der in den Vereinten Nationen entwickelten Rechtsinstrumente zu beschädigen«. (bb)

Siehe auch: Boliviens Außenminister: "Koka ist doch kein Kokain", 23.10.2012