Kolumbien |

Staat muss vertriebene Campesinos entschädigen

Laut einem Urteil des Obersten Gerichtshofs muss der Staat an 35 Personen, die 1996 durch Paramilitärs gewaltsam von der Hazienda Bellacruz vertrieben worden waren, insgesamt ca. 488.000 Euro Entschädigung zahlen. Dies berichtet die Nachrichtenagentur TeleSur. In ihrem Urteilsspruch sahen es die Richter als erwiesen an, dass staatliche Stellen den 280 vertriebenen Bauernfamilien hätten zu Hilfe kommen müssen, dies jedoch unterlassen hatten.

Das Landgut im Gemeindebezirk La Gloria (Departement Cesar) im Norden des Landes war Eigentum des ehemaligen Entwicklungsministers und kolumbianischen Botschafters in Belgien und der Europäischen Union, Carlos Arturo Marulanda Ramírez. Er wurde als mutmaßlicher Drahtzieher der brutalen Vertreibung ebenfalls verurteilt.

Armee und Polizei hätten Bauern schützen müssen

Im Februar 1996 waren 40 Paramilitärs auf die Parzellen der Kleinbauernfamilien eingedrungen. Dabei richteten sie ein Massaker unter den Kleinbauernfamilien an, bei dem Dutzende Personen getötet wurden. Die Behausungen der Tagelöhnerfamilien und deren Felder zur Selbstversorgung wurden niedergebrannt. Unter Todesdrohungen seien die Bauern gezwungen worden, das Land zu verlassen, so das Urteil.

Die Richter erklärten den damaligen Innenminister sowie den Verteidigungsminister für das Massaker verantwortlich, da weder Nationalpolizei noch Armee ihrer Aufgabe nachgekommen seien, „die Bauern zu schützen, die in diesem Gebiet leben", so das Gericht. Obwohl sich nahe der Hazienda ein Armeestützpunkt befunden habe und die Entwicklung voraussehbar gewesen sei, habe die Armee keinerlei Maßnahmen zum Schutz der Bauern oder zur Verhinderung der Vertreibung ergriffen, auch als die Bauern die paramilitärischen Übergriffe anzeigten.

Marulanda war Botschafter in Brüssel

Nach Berichten von ac-poonal umfasste das Anwesen von Bellacruz 1996 mehr als 24.000 Hektar Land. Einer Untersuchung der staatlichen Agrarreformbehörde INCORA zufolge, lagen damals für einen Teil des Besitzes keine offiziellen Eigentumstitel der Familie Marulanda vor. Die Bauern hatten immer wieder argumentiert, dass die Familie sich das Land mit widerrechtlichen Mitteln angeeignet hatte. Das Massaker erfolgte, während Marulanda als Botschafter in Belgien tätig war. Aufgrund anhaltender Proteste musste er 1997 zurücktreten, entzog sich der Justiz jedoch durch Flucht und wurde erst 2001 in Spanien verhaftet. (bh)