Peru |

Sperrgebiet für den Bergbau

Magische Kräfte soll es besitzen, das Wasser der Schwarzen Lagune im Norden Perus, fast an der Grenze zu Ecuador. Zahlreiche Peruaner pilgern jedes Jahr zu dem abgelegenen Bergsee auf rund 3500 Meter Höhe, um sich die höheren Mächte und das Schicksal durch siebenmaliges Untertauchen im kristallklaren, aber eiskalten Wasser gewogen zu machen.

Wenn es nach der peruanischen Regierung geht, wird der Pilger auf dem Weg zur Schwarzen Lagune in Zukunft nicht nur dunstbehangene grüne Nebelwälder, sondern schon bald ein riesiges Erdloch und meterhohe Abraumhalden zu sehen bekommen.

1 Kilometer lang, 2 Kilometer breit und 300 Meter tief soll die Grube werden, aus der Gold, Silber und Kupfer im offenen Tagebau abgetragen werden sollen. Der chinesische Bergbaukonzern Zijn hat vom peruanischen Staat eine vorläufige Erlaubnis bekommen, um die notwendigen Bohrungen und Studien durchzuführen, bevor die Genehmigung zum Abbau erteilt wird.

Bevölkerung ist gegen den Bergbau

Wenn es nach der Bevölkerung geht, die in den vier Provinzen wohnt, wird es nie so weit kommen. Da ihre eigene Regierung sie nicht nach ihrer Meinung gefragt hat, haben sie vor drei Jahren eine eigene Abstimmung organisiert. Die übergroße Mehrheit der Bewohner hat sich dabei gegen den Bergbau in ihrem Gebiet ausgesprochen.

„ Die Leute leben hier von der Landwirtschaft, bauen Kaffee, Mango, Zitronen, Zucker und Baumwolle an, je nachdem auf welcher Höhenstufe sie leben“ erklärt Fidel Torres. Der 53-jährige Biologe ist landwirtschaftlicher Berater der Kleinbauern aus der vom Bergbau bedrohten Region und auf Einladung der belgischen Nichtregierungsorganisation „CATAPA“ in Deutschland unterwegs, um über die ökologischen Bedrohungen des Bergbaus zu erzählen.

„80% der Fläche des Departamentes Piura werden landwirtschaftlich genutzt“, weiß er zu erzählen und 36% der Bevölkerung sind Kleinbauern. Damit häufen sie zwar keine Reichtümer an, aber es gibt interessante Projekte, um den immensen Naturreichtum in der Region besser zu vermarkten.

Kaffee, Tourismus und Emissionshandel

Zum einen, so Fidel Torres, wird in der Gegend organischer Kaffee für den Fairen Handel angebaut, der auch in deutschen Eine-Welt-Läden vertrieben wird. Zum anderen ist die Gegend geeignet für ökologischen Tourismus und für Projekte im CO2-Emissionshandel.

Nicht nur Menschen leben hier in der Zone, auch die vom Aussterben bedrohten Tapire und Ameisenbären haben hier ihre Heimstatt. Vor allem aber ist der grüne Nebelwald, der so hervorragend geeignet ist für den Kaffeeanbau, auch der Wasserspeicher für die landwirtschaftlich genutzten trockenen Zonen in tieferen Klimazonen. Fidel Torres sagt, dass die Bauern sich am meisten davor fürchten, dass das Bergbauprojekt ihnen letztlich das Wasser und damit ihre Existenz abgrabe.

Alles gute Gründe, um die Region zur bergbaufreien Zone zu erklären. Dies ist das erklärte Ziel der Kampagne „ El Paraíso – zona libre de minería“, die unter anderem vom bergbaukritischen peruanischen Netzwerk „Red Muqui“ und der Vereinigung der vom Bergbau betroffenen Gemeinden „CONACAMI“ unterstützt wird.

„Wenn sich die internationale Gemeinschaft, oder eine europäische Regierung gegen den Bergbau in Nordperu protestiert, so wird das in Peru sehr wohl wahrgenommen“, erzählt Fidel Torres. Momentan steht das Bergbauvorhaben„Rio Blanco“ jedoch aus einem ganz Grund still. Der Direktor des chinesischen Bergbaukonzerns Zijn sitzt seit kurzem in einem chinesischen Gefängnis. Wegen Umweltverschmutzung.

Autorin: Hildegard Willer