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Spanische Justiz erlässt Haftbefehle gegen mutmassliche Mörder von Jesuitenpriestern

Puebla. Das Massaker an den Jesuitenpriestern der Katholischen Universität von San Salvador wird juristisch neu aufgearbeitet. Zwei Jahre lang wälzte der spanische Untersuchungsrichter Eloy Velasco Akten und Beweismaterial aus der Zeit des Bürgerkriegs in dem mittelamerikanischen Land. Am Montag schliesslich erging der Haftbefehl gegen 20 mutmasslich in den Fall verwickelte salvadorianische Militärs, darunter den ehemaligen Verteidigungsminister Humberto Larios. Ursprünglich sollte auch der damalige Präsident Alfredo Cristiani wegen Mitwisserschaft und Verschleierung vor Gericht erscheinen, davon sah Velasco jedoch letztlich ab. Innerhalb von zehn Tagen müssen die Tatverdächtigen nun vor Gericht erscheinen, ansonsten wird Interpol eingeschaltet. Ihnen drohen bis zu 400 Jahre Gefängnis. Den Prozess angestrengt haben Angehörige der Opfer und Menschenrechtsorganisationen.
Im November 1989, auf dem Höhepunkt des Bürgerkriegs, waren die sechs Jesuiten und zwei Hausangestellte in einer Nacht- und Nebelaktion von einem Militärkommando ermordet worden. Ihr Tod war ein Schock für die salvadorianische Bevölkerung und löste weltweit Entsetzen aus. Nach Auffassung von Velasco beschlossen die Streitkräfte den Mord, weil ihnen der Einsatz der Priester für Friedensgespräche missfiel. 1992 endete der Bürgerkrieg dann doch mit einem Friedensabkommen. Während des zwölfjährigen Konflikts starben in dem Land von der Grösse Israels 75.000 Menschen; 80 Prozent gehen auf das Konto der Streitkräfte.
Fünf der Opfer, darunter der Befreiungstheologe und Rektor der Universität, Ignacio Ellacuria, waren Spanier. Doch war dies kein zwingendes Kriterium für die Zuständigkeit der spanischen Gerichte: seit dem Prozess gegen Chiles Ex-Diktator Augusto Pinochet Mitte der 90er Jahre verfolgt die spanische Justiz nach dem Prinzip der „Universalität“ Menschenrechtsverletzungen weltweit. In El Salvador sind Prozesse wegen der 1993 nach Ende des Bürgerkriegs erlassenen Amnestie bis heute nicht möglich. Der Aussenminister El Salvadors, Hugo Martinez, erklärte am Montag, seine Regierung sei noch nicht offiziell benachrichtigt worden, leite aber ein Auslieferungsersuchen gerne an die heimische Justiz weiter. In El Salvador regiert seit 2009 erstmals die Linke.Der Koordinator der Menschenrechtskomission, Miguel Montenegro, begrüsste die Haftbefehle. „Das gibt uns die Kraft weiter gegen die Straffreiheit zu kämpfen“, sagte er in San Salvador.

Von Sandra Weiss