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Soziale Bewegungen fordern Umdenken bei der Stadtplanung

Im Rahmen einer landesweiten „Aktion für eine Reform der Städte“ finden in Brasilien seit Anfang Oktober verschiedene Veranstaltungen, Kundgebungen und Aktionen von Initiativgruppen und Organisationen statt. Am 4. Oktober übergaben Mitglieder des Landesweiten Forums für eine Reform der Stadt (FNRU) der Regierung Brasiliens in der Hauptstadt Brasilia einen Forderungskatalog.

Wohnungsprogramm zu bürokratisch

José de Abraão, Koordinator der Bewegungen für Wohnraum im Großraum von São Paulo und in der Innenstadt erklärte, mit den Aktionen fordere man vor allem, dass bürokratische Hürden für das Wohnungsprogramm „Mi Casa, Mi Vida“ abgebaut werden.

Arme und mittellose Familien würden dadurch keinen Zugang zum Hilfsprogramm erhalten, so Abraão. Auf den Foren, die unter anderem in São Paulo, Curitiba, Vitoria stattfinden, wird auch über mehr Partizipation der Bevölkerung bei der Stadtplanung, Fortschritte beim Entwicklungsprogramm PAC sowie Vertreibungen im Zuge der Fußball-WM diskutiert.

Besetzungen als Ausdruck des Protests

Laut Abraão werde in São Paulo viel Druck auf arme Familien ausgeübt, damit diese aus den Innenstädten verschwinden. Den Familien werde Geld geboten, damit sie sich "an die Peripherie der Peripherie" begäben, so der Koordinator.

Zu den Protestaktionen gehört auch die Besetzung von Immobilien. So wurde in São Paulo am Morgen des 3. Oktober das Gebäude der Sozialversicherungsbehörde (INNS) im Zentrum der Stadt besetzt. Mit diesen Aktionen wollen die Familien ihrer Forderung nach Wohnraum in der Innenstadt von São Paulo Nachdruck verleihen, so Abraão, der unterstrich, man werde so lange bleiben, „bis eine Antwort der Regierung vorliegt“. (bh)

Quelle: Adital