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Solidarität mit den letzten Nomaden

Sie sind einer der letzten Nomadenstämme Brasiliens: die Awa-Guaja, ein kleiner Stamm von Jägern und Sammlern im Norden des Bundesstaates Maranhao, in den Ausläufern des Amazonasurwaldes. Über Jahrzehnte haben sie bewusst den Kontakt mit den Weißen vermieden und sich tief in den Wald zurückgezogen.

Doch Holzfäller dringen immer weiter auf das Awa-Gebiet vor und gefährden zunehmend die Existenz der Indios. Jetzt hat der Indio-Missionsrat der katholischen Kirche, CIMI, zur Solidarität mit dem bedrohten Stamm aufgerufen.

Anfang August haben mehrere Organisationen der brasilianischen Zivilgesellschaft, darunter die Landpastorale der katholischen Kirche, die brasilianische Bischofskonferenz (CNBB) und CIMI, eine Solidaritätsveranstaltung unter dem Motto "Wir existieren: Land und Leben für die Jäger und Sammler der Awa-Guaja" in der Stadt Ze Doca in Maranhao abgehalten. In einem dort veröffentlichten Brief fordern die Organisationen die brasilianische Justiz auf endlich die illegale Anwesenheit von Nicht-Indios im Siedlungsgebiet der Awa-Guajas zu untersagen.

Vor über 25 Jahren war das Siedlungsgebiet der Awa-Guajas bereits als Indioland demarkiert worden. Doch de facto ist es ungeschützt dem Einfluss weißer Unternehmer und Politiker ausgesetzt. Selbst eine per Gerichtsentscheidung vom Juni 2009 dekretierte Räumung des Indiolandes änderte nichts an dem illegalen Treiben. Einer Berufung wurde stattgegeben und die Vollstreckung des Räumungsbefehls gegen die Nicht-Indios erst einmal ausgesetzt.

Zu der Solidaritätsveranstaltung waren auch Indios anderer Stämme nach Ze Doca angereist, darunter Abgesandte der Guajajara und der Ka´apor. Gemeinsam mit Awa-Guajas aus vier verschiedenen Dörfern zelebrierten sie indigene Tänze und Rituale während des dreitägigen Treffens. In Reden forderten die Indiovertreter mehr Respekt von Seiten der weißen Bevölkerung. "Wir sind hier in Eure Stadt gekommen und haben nichts geraubt," sagte der Awa-Führer Takaiju in Anspielung auf den illegalen Holzschlag durch Weiße in den Indiogebieten.

Der Stamm der Awa-Guajas zählt etwa 350 Indios, die auf mehrere Dörfer verteilt in dem Reservat leben. Ein Teil des Stammes hatte sich vor Jahren tief in den Wald zurückgezogen und jeglichen Kontakt mit den Weißen wie auch mit den restlichen Awa-Guajas abgebrochen. Zu dem Treffen in Ze Doca waren nun auch Indios dieser isolierten Dörfer angereist. Sie wollten mit ihrem Erscheinen die Äußerungen des Bürgermeisters von Ze Doca widerlegen. Dieser hatte die Abholzungen auf Indioland damit gerechtfertig dass die Awa-Guajas schon lange nicht mehr existieren würden.

"Die Existenz der indigenen Völker zu negieren ist eine sich selbst erfüllende Prophezeiung," so der Direktor von Survival International, Stephen Corry. "Wenn man verneint dass sie existieren, fangen sie tatsächlich an nicht mehr zu existieren, und verschwinden, wie so viele Stämme in der Vergangenheit. Wenn Brasilien wirklich als ein globaler Leader angesehen werden will, dürfen die Behörden Rechtsbrüche wie diesen hier nicht mehr tolerieren."

Autor: Thomas Milz