Brasilien |

Sklavenarbeit für Gánster Surf und Skate Wear

Zwei Peruaner und ein Bolivianer wurden kürzlich aus sklavenähnlichen Arbeitsverhältnissen in einer Werkstatt in Sao Paulo befreit. Der Kleinbetrieb arbeitete komplett für die Sporttextilmarken Gánster Surf und Skate Wear, berichtet die Nachrichtenagentur Adital. Die Operation wurde von der Mobilen Einheit gegen Sklavenarbeit, die dem Arbeitsministerium (MTE) angegliedert ist, der brasilianischen Bundespolizei, den Steuerbehörden durchgeführt und einem von Reporterteam von „Reporter Brasil“ begleitet.

Die Näher hatten keinen Vertrag und wohnten bei ihrem Arbeitgeber. Sie wurden pro gefertigtes Stück bezahlt und arbeiteten von Montag bis Freitag von 7.30 Uhr bis 20.00 Uhr, mit anderthalb Stunden Pause über den Tag. Samstags wurde ebenfalls bis zum Mittag gearbeitet. Die hygienischen Verhältnisse seien prekär gewesen, durch den Raum verlaufende elektrische Kabel und Gas hätten eine große Gefahrenquelle dargestellt, der Gastank habe sich nur wenige Meter neben dem improvisierten Schlafraum befunden. Der Eigentümer der Werkstatt, der ebenfalls unter solch prekären Bedingungen lebt, befand sich zum Zeitpunkt der Inspektion mit seiner Familie in Bolivien.

Gánster Surf gibt sich überrascht und bedauert „zutiefst“

Die Firma Gánster Surf erklärte gegenüber Repórter Brasil, man sei überrascht von der Nachricht und bedaure diese Situation „zutiefst“. Das Unternehmen habe Maßnahmen ergriffen, um die Wahrung der Arbeitsrechte sicherzustellen und mit einer Revision des Monitoring für seine Zulieferer begonnen.

In Brasilien veröffentlicht das Arbeitsministerium zwei Mal jährlich eine “Schmutzige Liste” der Firmen, bei denen Personen unter sklavenähnlichen Verhältnissen arbeiten müssen. Vergangenes Jahr enthielt die Liste 294 Arbeitgeber, 52 mehr als noch 2011. Unternehmen, die hygienischen Mindeststandard am Arbeitsplatz und bei Unterkünften nicht erfüllen und weniger als den aktuellen gesetzlichen Mindestlohn von 622 Reais (umgerechnet etwa 260 Euro) bezahlen, werden auf die Liste gesetzt.

Mehr als 2.000 sklavenähnliche Arbeitsverhältnisse

Diese Firmen dürfen dann auch keine staatlichen Kredite mehr erhalten. Im vergangenen Jahr wurden mehr als 2.000 Menschen bei rund 160 Einsätzen in 230 Firmen befreit. Wurden sklavenähnliche früher vor allem bei landwirtschaftlichen Betrieben aufgedeckt, werden die Arbeitsrechte nun zunehmend bei Baufirmen und Zulieferern in den Städten missachtet. (bh)