Bolivien |

"Sie sind Bruder Franziskus"

Schon die Begrüßung war herzlich und freundlich: "Sie sind Bruder Franziskus", sagte Boliviens Präsident Evo Morales beim Treffen mit Papst Franziskus. Der freute sich über die Worte: "So muss es sein." Das Zusammentreffen zwischen dem ersten indigenen Präsidenten Südamerikas und dem ersten lateinamerikanischen Kirchenoberhaupt dürfte das Verhältnis zwischen Staat und Kirche in dem sozialistischen Land nachhaltig verbessert haben. Erstes Ergebnis: Nach seinem Besuch bei Papst Franziskus in Rom zeigt sich Morales zuversichtlich, dass dieser bald sein Land besuchen werde. "Ich bin fast sicher, Brüder und Schwestern, dass ab 2015 oder 2016 der Papst einen Besuch in Bolivien organisieren wird", sagte Morales in La Paz. Das Kirchenoberhaupt habe ihm bestätigt, dass er sehr viel Zuneigung für Bolivien empfinde. Zunächst müsse er aber auch noch andere Kontinente besuchen, bei denen er im Wort stehe. Zuvor hatten sich die bolivianischen Bischöfe erfreut gezeigt, dass der Präsident die offizielle Einladung der Bischofskonferenz an den Papst mit seiner Unterschrift bestätigt habe. Ein eindeutiges Indiz dafür, dass sich das zuletzt belastete interne Verhältnis zu entspannen beginnt.

Über die "Wichtigkeit guter Beziehungen zwischen Staat und Kirche" herrsche Einigkeit, hieß es dann auch aus dem Vatikan nach der gut halbstündigen Begegnung in der vergangenen Woche. Denn eigentlich verfolgen beide Seiten ohnehin das gleiche Ziel: Den Kampf gegen Armut und soziale Ungleichheit sowie die Sorge um die gesellschaftliche, wirtschaftliche und religiöse Lage Boliviens. Ob auch, wie von Morales zuvor angekündigt, über die Themen Befreiungstheologie und Revolution gesprochen wurde, ist dagegen unbekannt. Ohne ein außenpolitisches Signal wollte dann auch Morales nicht abreisen und überreichte Franziskus ein Buch, das die Forderung seines Landes nach einem Zugang zum Meer zum Inhalt hat. Bolivien verlangt diesen seit dem verlorenen Salpeterkrieg vor fast 200 Jahren.

In den vergangenen Jahren waren die regierungskritischen Bischöfe in Bolivien und Morales auf Konfrontationskurs gegangen. "Wir reparieren die Gotteshäuser, bauen für die Kirche, und was passiert? Sie bewerfen mich mit Dreck", reagierte Morales noch im vergangenen Jahr auf die Kritik der Kirche. Seit der Wahl des Argentiniers im März geht Morales auf die Kirche zu: "Nachdem ich jetzt einige Botschaften des Papstes gehört habe, kann ich der katholischen Kirche wieder vertrauen", so der frühere Koka-Bauer nach seiner ersten kurzen Begegnung mit Franziskus am Rande des Weltjugendtags in Rio de Janeiro Ende Juli. Wenn die katholische Kirche "die Befreiungstheologie wiederbeleben" wolle, "dann stehen wir bereit, um dieses religiöse Prinzip der Befreiung der Völker zu begleiten", erklärte Morales. "Wir sind Revolutionäre. Jesus Christus war der erste Sozialist der Welt, der außerdem noch sein Leben hingegeben hat", so das Credo des Präsidenten.

Quelle: KNA