Chile |

Sektenchef Paul Schäfer gestorben

Der Gründer der berüchtigten Colonia Dignidad ("Kolonie der Würde") in Chile, Paul Schäfer, ist tot. Er starb am Samstag im Alter von 88 Jahren in einem Gefängniskrankenhaus in Santiago de Chile an einem schweren Herzleiden. Das teilten Justizbehörden nach chilenischen Medienberichten mit.

Der aus Deutschland stammende Sektenführer war nach jahrelanger Flucht 2005 in Argentinien gefasst und dann nach Chile überstellt worden. 2006 wurde er unter anderem wegen sexuellen Missbrauchs an Kindern, Körperverletzung und illegalen Waffenbesitzes zu insgesamt 34 Jahren Haft verurteilt. Die Richter wiesen ihm zudem die Zusammenarbeit mit der berüchtigten Geheimpolizei des damaligen Diktators Augusto Pinochet in den 70er Jahren nach. Er hatte politische Gefangene auf dem 13.000 Hektar großen Gelände zu Tode foltern lassen. Die Colonia Dignidad diente den Militärs als Folterzentrum.

Schäfer war nach dem Zweiten Weltkrieg aus Deutschland geflohen und hatte 1961 die "Colonia Dignidad" gegründet, die später in "Bayerisches Dorf" umbenannt wurde. Jahrzehntelang missbrauchte er dort Minderjährige, zwang die Bewohner zu härtester Arbeit und unterdrückte sie mit absoluter Kontrolle. Dabei half ihm eine Führungsriege von etwa 20 Personen, die mittlerweile ebenfalls zu Haftstrafen verurteilt wurden. Schäfer manipulierte Inhalte der Bibel und drohte unter anderem mit dem Teufel.

Noch etwa 150 Deutsche leben weiterhin auf dem Gebiet, das rund 400 Kilometer südlich von Santiago liegt. Einige andere sind nach Deutschland gezogen; andere versuchen, sich ein neues Leben in der Umgebung aufzubauen. Die deutsche Bundesregierung finanziert bis heute seelsorgerische und psychologische Hilfe für die Opfer und fördert die örtliche Schule. Schäfer hatte jahrzehntelang Ehepaare getrennt und keine sexuellen Kontakte gestattet.

Quelle: KNA