Paraguay |

Schwere Mängel beim Arbeitsrecht

Der Internationale Gewerkschaftsbund (CSI) hat anlässlich der Versammlung des Generalrats der Welthandelsorganisation WTO einen Bericht veröffentlicht, der gravierende Arbeitsrechtsverletzungen in Paraguay feststellt. Die Vertreter der WTO kommen vom 27. bis 29. April in Genf zusammen.

Laut Bericht des Gewerkschaftsbundes werden in Paraguay zudem vielfach Gewerkschaftsrechte missachtet - obwohl das Land acht internationale Vereinbarungen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) unterzeichnet hat. Der CSI fordert die Einhaltung dieser Verträge und das Beseitigen von Hindernissen für die Gewerkschaftsarbeit.

Frauen bekommen nur den halben Lohn

So hätten Angestellte zwar das Recht, sich gewerkschaftlich zu organisieren, allerdings müssten Gewerkschaften 300 Mitglieder haben, um anerkannt zu werden. Ein kompliziertes Registrierungsverfahren für Gewerkschaftsfunktionäre beim Justiz- und Arbeitsministerium, das zudem noch bis zu einem Jahr dauern kann, erschwere die Gewerkschaftsarbeit zusätzlich. Auch können Arbeitgeber Widerspruch gegen die Bildung von Gewerkschaften einlegen und das Subunternehmertum stehe ebenfalls der gewerkschaftlichen Organisation von Mitarbeitern im Wege.

Dies seien die Gründe dafür, dass nur elf Prozent der Arbeitenden im Land gewerkschaftlich organisiert seien und nur zehn Prozent der Angestellten im Privatsektor einen gewissen Schutz durch Tarifverträge erhalten. Im öffentlichen Sektor seien immerhin 60 Prozent der Arbeitenden durch Tarifregelungen geschützt.

Frauen erhalten laut der Untersuchung für die gleiche Arbeit nur 53 Prozent des Einkommens, das Männern gezahlt wird. Sie sind außerdem in mit weniger als zehn Prozent der Posten in öffentlichen Ämtern wie in technischen Berufen unterrepräsentiert und. Sie seien meist Selbständige, böten Dienstleistungen im Haushalt an und arbeiteten in Verhältnissen, die selbst von der Regierung als prekär angesehen werden.

862.000 Kinder arbeiten

Sehr schlecht bezahlt werden laut Studie auch indigene Arbeitskräfte, denen im Normalfall nur die Hälfte des Mindestlohns gezahlt werde. 88 von 100 Indigenen haben keinen Zugang zur Sozialversicherung, viele indigene Bewohner des Chaco seien zudem Opfer von Zwangsarbeit.

Laut Gesetz müssten fünf Prozent der Arbeitsstellen in den Behörden mit Behinderten besetzt sein, erreicht wird derzeit jedoch nur eine Quote von einem Prozent. Dieses Ziel werde auch deshalb nicht erreicht, weil Verkehrsmittel und Arbeitsplätze nicht behindertengerecht ausgestattet seien

Ungefähr 862.000 Kinder - fast die Hälfte aller Kinder Paraguays - ist von Kinderarbeit betroffen, die vor allem in der Landwirtschaft, im Haushalt, im Verkehrswesen, in Manufakturen und von fliegenden Händlern eingesetzt wird und die Kinder häufig von der Schulbildung ausschließt, so die Studie. (bh)

Quelle: Adital