Argentinien |

Schwere Gesundheitsschäden durch Agrar-Beräucherung

Ärzte und Experten der nord-argentinischen Provinzen Santa Fe, Chaco, Misiones und Córdoba haben auf die schädlichen Auswirkungen der Anwendung von Agrargiften hingewiesen. Auf einem Treffen in der Universidad Nacional von Córdoba am 27. und 28. August analysierten die Fachleute die Folgen der Beräucherung aus der Luft und auf dem Boden für die lokale Bevölkerung. In den betroffenen Regionen ist ein Anstieg schwerer Erkrankungen nachgewiesen.

Zwölf Millionen Menschen betroffen

Gesundheitliche Schäden ruft vor allem die Substanz Glyphosat hervor. In den vergangenen 14 Jahren gab es bei der Anwendung von Räuchermitteln einen geschätzten Anstieg um 1000 Prozent. Derzeit sind rund zwölf Millionen Menschen den giftigen Substanzen direkt ausgesetzt. Zu den Folgen der Beräucherung zählen ein Anstieg von Fehlgeburten und Fruchtbarkeitsstörungen. Neugeborene kommen mit Missbildungen auf die Welt. Daten verzeichnen auf 700.000 Neugeborene in Argentinien 21.000 Fälle von Missbildungen.

Außerdem treten in Regionen, die nah an systematisch beräucherten landwirtschaftlichen Nutzflächen liegen, vermehrt schwere Krankheiten wie Krebs auf. Eine Häufung sei ebenso bei Störungen der Atemwege und des Blutbildes festzustellen sowie bei hormonellen und neurologischen Beschwerden. Hinzu kämen psychische Auswirkungen, so die Experten.

Brief an Präsidentin Kirchner

Die Ärzte nutzten das Treffen in Córdoba, um einen Brief an Argentiniens Präsidentin Cristina Fernández aufzusetzen. In diesem fordern sie Einschränkungen bei der Beräucherung zu Boden und ein Verbot der Beräucherung aus der Luft für Regionen, die nah an städtischen Gebieten liegen. Die Ärzte prangern an, dass die großen Agrarbetriebe 300 Millionen Liter Gift über der Bevölkerung verteilen. Dies geschehe ohne jegliche Kontrolle und zudem ohne Nutzen für die Landwirtschaft.
In einem weiteren Brief der Ärzte an führende argentinische Agrarfunktionäre heißt es, die aufgrund der aktuell steigenden Nachfrage guten Gewinne der Unternehmen rechtfertigten weder die Krebserkrankungen „unserer Patienten“ noch die Missbildungen „unserer Kinder.“

Appell an Verbraucher

Hugo Gómez Demaio, Kinderarzt aus der nordöstlichsten argentinischen Provinz Misiones, die an Brasilien und Paraguay grenzt, zeigte den Teilnehmern Bilder, welche die schweren Folgeerscheinungen der Beräucherung für die menschliche Gesundheit belegen. Damaio kritisierte insbesondere die Sojahersteller. Gefährlich nannte der Arzt den Verzehr von Produkten der Unternehmen Monsanto, Cargill, Nestlé, Unilever und Ades. Erforderlich seien die Souveränität des Verbrauchers und eine gerechte Verteilung der Nahrungsmittel.

Besonders scharf ins Gericht mit den Agrarunternehmen ging der Kinderarzt Rodolfo Páramo aus der Provinz Santa Fe. Den Agraringenieuren mangele es an Menschlichkeit. Da er eine öffentliche Universität absolviert habe, betrachte er es als seine moralische Pflicht, die Gesundheit von Argentiniens Bevölkerung vor Schaden zu bewahren.

Autorin: Tatiana Félix, deutsche Bearbeitung: Bernd Stößel, in: Adital