Chile |

Schweizer Großgrundbesitzer sterben bei Brandanschlag

Bei mehreren Brandanschlägen in der südchilenischen Region Araucanía ist Ende vergangener Woche ein älteres Ehepaar schweizerischen Ursprungs ums Leben gekommen. Berichten lokaler Medien zufolge stehen diese im Zusammenhang mit dem seit mehreren Jahren andauernden Konflikt um Land zwischen den Mapuche und Großgrundbesitzern der Region. Augenzeugen berichteten, dass mehrere maskierte Männer das Haus der Familie Luchsinger angegriffen hätten. Bernd Luchsinger soll einen Schuss in Notwehr abgefeuert haben, bevor sein Besitz in Flammen aufging. Die Polizei fand die Leichen von Bernd Luchsinger und seiner Frau Vivianne McKay, nachdem der Brand gelöscht war.

Der chilenische Präsident Sebastian Piñera und der Innenminister Andrés Chadwick flogen umgehend in die Region. Chadwick bezeichnete die Tat als einen Akt des Terrorismus. Die Regierung erhöhte die Polizeipräsenz vor Ort und erwägt den Notstand für die Region auszurufen. „Diese Anschläge betreffen das ganze Land“, so Chadwick, „sie verursachen großen Schaden und bedeuten Schmerz für tausende Familien, die in Frieden leben wollen“. Man werde nicht zögern, die gesamte Bandbreite der Gesetze gegen die Täter einzusetzen. Regierungschef Piñera betonte allerdings auch, dass die Maßnahmen nicht gegen das Volk der Mapuche generell gerichtet seien. Es ginge darum, eine kleine Gruppe radikaler Terroristen, mit allem was das Gesetz zu bieten hat, zu bekämpfen.

Erzbischof fordert Klima des Vertrauens

Der Erzbischof von Santiago, Ricardo Ezzati Andrello, forderte die Regierung von Präsident Sebastian Pinera zu mehr Offenheit und Verständnis gegenüber den Indigenen auf. In einem Interview mit dem TV-Sender CNN Chile sagte Ezzati am 6. Januar, die Chilenen müssten verstehen, dass die grundsätzlichen Anliegen des Volkes der Mapuche ehrlich und anständig seien.

Notwendig sei ein Klima des Vertrauens, um den Konflikt friedlich zu beenden. Der Oberhirte der Hauptstadtdiözese unterstrich, dass Vertreter der Chilenischen Bischofskonferenz, die direkt mit den Mapuche-Gemeinden zusammengearbeitet hätten, deren Willen zu einem friedlichen Zusammenleben hätten kennenlernen können.

In mehreren Zeitungen wird ein Zusammenhang zwischen den am 3. Januar stattgefundenen Demonstrationen der Mapuche gegen den Tod des Aktivisten Matias Catrileo und den Brandanschlägen hergestellt. Catrileo ist vor genau fünf Jahren von einem Polizisten in den Rücken geschossen worden. Sein Tod war in den vergangenen Jahren immer wieder Anlass für Proteste. Die Mapuche kämpfen seit Jahren um ihre Landrechte und den Erhalt ihrer Tradition. Die Luchsingers gelten als eine der Familien, die im 19. Jahrhundert von der Landvergabe der Regierung profitierte. Berichten zufolge habe es immer wieder Auseinandersetzungen zwischen der Familie Luchsinger und den Mapuche gegeben. Bisher hat sich niemand zu den Anschlägen bekannt, aber die Polizei nahm einen Verdächtigen fest, der bisher wegen einer Schusswunde im Krankenkaus von Temuco behandelt wird. (aj/KNA)