Brasilien |

Schlechte Noten für öffentliche Schulen

Schüler von Privatschulen haben bei ihrem Abschluss immer noch ein wesentlich höheres Bildungsniveau als Schüler öffentlicher Schulen. Dies ergab der am Montag vorgestellte Schulreport des brasilianischen Bildungsministeriums. Privatschüler haben nach dem Abschluss der acht Grundschul-Pflichtjahre ein höheres Bildungsniveau als Schüler öffentlicher Schulen mit Abschluss der Mittelschule nach elf Schuljahren, so der IDEB-Report, der auf Erhebungen des Jahres 2009 in den Fächern Portugiesisch und Mathematik basiert.

Nach acht Schuljahren erreichten Privatschüler demnach im Durchschnitt 294 von maximal 500 Punkten in den Mathematiktests und 279 im Portugiesischunterricht. In den öffentlichen Schulen lagen die Mittelschüler nach 11 Schuljahren lediglich bei 266 bzw. 262 Punkten. Geht man nach den Schulnoten, die in Brasilien von 0 (ungenügend) bis 10 (sehr gut) reichen, so liegen die Privatschüler im Durchschnitt in allen Altersklassen um zwei Punkte höher als die Schüler öffentlicher Schulen.

Mehr Autonomie in der Unterrichtsgestaltung


Die Privatschulen hätten eine Reihe von Vorteilen, so der Soziologe Simon Schwartzman. So könnten sie sich ihre Schüler aussuchen und die leistungsschwachen Kinder und die mit wenig Disziplin ablehnen. Zudem verfüge die Schulleitung über wesentlich mehr Autonomie in der Unterrichtsgestaltung. Entscheidend sei auch das familiäre Umfeld; so stammten Privatschüler meist aus wohlhabenderen Familien mit einem generell höheren Bildungsniveau, so der Soziologe.

Nach der Veröffentlichung der letzten Erhebung vor zwei Jahren, die bereits die erheblichen Differenzen zwischen öffentlichen und privaten Schulen aufzeigte, hatte die brasilianische Regierung 400 Millionen Reais (etwa 180 Millionen Euro) extra in das öffentliche Schulsystem gepumpt. Jedoch die Hälfte der geförderten Schulen konnte ihren schlechten Notendurchschnitt nicht verbessern, acht Prozent verschlechterten sich sogar gegenüber den Daten von 2007.

Mitarbeit der Stadtverwaltung wichtig

Das Bildungsministerium erwartet eine signifikante Verbesserung in den geförderten Schulen erst bei der nächsten Datenerhebung in zwei Jahren. “Bildungsreformen zeigen oft erst nach einer Generation Erfolge, da das Bildungsniveau der Mütter und die Ausbildung der Lehrer wichtige Faktoren sind,” so Maria do Pilar Lacerda vom Bildungsministerium. Sie berichtet, dass das Ministerium auf die Mitarbeit der Stadtverwaltungen angewiesen sei. Nur wenn diese konkrete und adäquate Projekte für die betroffenen Schulen vorlegten, könne das Ministerium der Schule finanzielle und technische Hilfe zukommen lassen.

Bis zu 70 Prozent der von den Städten eingereichten Projekte mussten jedoch vom Bildungsministerium als inadäquat zurückgewiesen werden. Lacerda nennt exemplarisch den Fall einer Schule mit äußerst niedrigen Alphabetisierungsraten: Statt in eine bessere Ausbildung der Lehrer zu investieren, beantragte die Stadtverwaltung lediglich Geld für den Umbau der Schulküche. Positiv zu verzeichnen sei jedoch, dass sich bereits mehr als 280.000 Lehrer im ganzen Land für Fortbildungskurse angemeldet hätten, so Lacerda.

Die Landeshauptstadt Brasilia führt das Ranking der besten öffentlichen Schulen an, gefolgt von den Bundesländern im Süden und Südosten des Landes, den wirtschaftlich stärksten Regionen Brasiliens. Am schlechtesten schnitten die nordöstlichen Bundesländer ab, in denen die größte Armut herrscht.

Autor: Thomas Milz