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São Paulo: 290.000 Immobilien stehen leer

In São Paulo stehen mehr als doppelt so viele Immobilien leer wie es Familien gibt, die kein festes Dach über dem Kopf haben. Dem Zensus der brasilianischen Statistikbehörde IBGE für 2010 zufolge waren in Brasiliens größter Metropole mit ihren über elf Millionen Einwohnern 290.000 Immobilien nicht bewohnt. Dem stehen nach Angaben des städtischen Wohnungsdezernats 130.000 Familien gegenüber, die dringend eine Wohnung bräuchten. Der Notstand wäre daher eindeutig vermeidbar.

Stadtzentrum am stärksten betroffen

Osmar Borges, Aktivist einer Organisation, die für die Wohnungslosen in São Paulo kämpft, erklärt, allein in der Zentralregion der Stadt gebe es 40.000 Leerstände – inmitten des größten Angebots an Schulen, Krankenhäusern, kulturellen Einrichtungen und Arbeitsplätzen. Die Gebäude müssten instand gesetzt werden, um Wohnungssuchende aufzunehmen. Hierbei komme es auf ein gemeinsames Handeln der Regierungen von Stadt und Bundesstaat sowie Brasílias an. Das Zentrum von São Paulo biete für den Staat den Vorteil deutlich niedrigerer Kosten je Wohneinheit als am Stadtrand. Dort müssten in vielen Fällen erst Schulen, Kinderbetreuungseinrichtungen und Krankenhäuser gebaut und der öffentliche Transport sichergestellt werden.

UN-Sonderbeauftragte rügt die Verantwortlichen

Für Arbeiter ist es indes zunehmend teurer, im Zentrum São Paulos zu wohnen. Hier sind die Mietpreise in den vergangenen Jahren in die Höhe gegangen. In São Paulo gibt es zudem 486 Favelas. Aufgrund von zahlreichen städtischen Bauprojekten sollen viele von ihnen entfernt werden. Raquel Rolnik, die UN-Sonderberichterstatterin für das Recht auf eine angemessene Unterkunft, kritisiert die Wohnungspolitik São Paulos für ihre ausschließliche Ausrichtung am Markt. Der Staat komme seinen Verpflichtungen nicht nach: Jeder Mensch habe ein Recht darauf, dort zu bleiben, wo er lebe und angemessen zu wohnen. (bs)

Quelle: www.brasil.agenciapulsar.org