Kolumbien |

Santos Manifest für den Friedensprozess

In einem Buch hat Ex-Präsident und Friedensnobelpreisträger Juan Manuel Santos seine Sicht die Verhandlungen mit der Farc aufgeschrieben. Und damit eine politische Debatte ausgelöst.

Buchrezension Kolumbien Farc Friedensprozess Manuel Santos

Seit wenigen Wochen in Kolumbien auf dem Markt und wohl bald auch in deutscher Sprache erhältlich: Das Buch von Friedensnobelpreisträger Juan Manuel Santos. Foto: Tobias Käufer

Eigentlich hatte Juan Manuel Santos ein Versprechen abgegeben, als er nach acht Jahren aus dem Amt schied. Von 2010 bis 2018 hat der Mann aus einer der einflussreichsten Familien Bogotás Kolumbien regiert. Danach ließ die kolumbianische Verfassung eine erneute Kandidatur nicht mehr zu. Er wolle schweigen, um seinen Nachfolger Iván Duque die Arbeit nicht unnötig zu erschweren, versprach Santos damals. Ein Seitenhieb auf seinen eigenen Vorgänger - den rechtskonservativen und immer noch extrem populären Ex-Präsidenten Álvaro Uribe (2002 bis 2010). Unter ihm diente Santos als Verteidigungsminister, ehe er sich über die Friedensverhandlungen mit der Farc mit Uribe heillos zerstritt. Inzwischen verbindet die beiden ehemaligen Weggefährten eine erbitterte politische Feindschaft.

Auch darum geht es in dem 589 Seiten starken Buch “La batalla por la paz" (Die Schlacht für den Frieden), das Juan Manuel Santos im März auf dem Markt brachte. Santos bekam für seine erfolgreich abgeschlossenen Friedensverhandlungen mit der Farc den Friedensnobelpreis - auch deshalb schaut die Literaturwelt genau hin, wenn ein solcher Mann etwas zum Friedensprozess sagt, der laut UN in einer kritischen Phase steckt.

Uribe nennt Santos Lügner

Das Buch ist in fünf Themenschwerpunkte unterteilt, die sich mit der Zeit der Guerillagründung, der Phase vor den Verhandlungen und den Friedensgesprächen beschäftigen. Auch auf das Verhältnis zu Uribe geht Santos ein und lässt durchblicken, dass dessen Widerstand gegen den Friedensprozess auch innenpolitischen Umständen geschuldet ist. "Es hat mich sehr überrascht, dass das erste Thema, dass der Ex-Präsident anging, nicht der Friedensprozess war, sondern ein ganz anderes", schreibt Santos zum Beispiel und deutet den Versuch eines Kuhhandels an. "Er sprach mit mir über seinen Zögling, den Ex-Landwirtschaftsminister Andrés Felipe Arias, verurteilt seit Juli 2014 zu 16 Jahren Haft." Offenbar erwartete Uribe Unterstützung von Santos im Fall Arias. Solche Beschreibungen sind nun, wie andere Erinnerungen Santos, Gegenstand verbaler Auseinandersetzungen. Uribe nennt Santos einen Lügner, der die Geschichte falsch wiedergebe. 

Weil das Buch zahlreiche Details wiedergibt, wird es auch angreifbar, wenn sich Ungenauigkeiten oder eben Interpretationen wiederfinden. So widerspricht Linkspolitikerin Piedad Córdoba einer Beschreibung von Santos, in der Berater José Obdulio Gaviria einer Forderung nicht nachkam, Córdobas Telefongespräche abzuhören. Begründung: Córdoba sei eine Freundin von ihm. Ein Freund sei Obdulio Gaviria aber nicht gewesen, widersprach Córdoba. "Ich kenne ihn seit langer Zeit, aber wenn sie mich fragen wie lange ich ihn nicht gesehen habe, würde ich sagen, seit zehn Jahren." Es sind diese kleinen Details, die das Buch angreifbar aber eben auch so spannend macht, weil es den Leser ganz nah mitnimmt in die Wirren rund um die Friedensverhandlungen.

Stolpersteine und Hemmnisse auf dem Weg zum Frieden

Insgesamt gibt das Buch einen interessanten Einblick in die kolumbianische Innenpolitik, die Stolpersteine und die Hemmnisse auf dem Weg zum Frieden mit der Farc. Santos Sohn Esteban schreibt eine emotionale aber eben auch gute Zusammenfassung: "Trotz aller Schwierigkeiten, aller Angriffe, aller Kritik, niemals bist Du in der Schlacht für den Frieden gefallen. Du hast Kolumbien gezeigt, dass der Frieden möglich ist...Ich bin sehr stolz auf dich." Dass Santos seine eigene Rolle dabei etwas positiver sieht als seine Kritiker, sei ihm angesichts der historischen Verdienste gegönnt. Sein Nachfolger und Kritiker Duque hat im ersten Jahr seiner Amtszeit bereits festgestellt, wie groß die Fußstapfen eines hart kritisierten Friedensnobelpreisträgers sein können. 

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