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Rücktritts-Appell geht an die falsche Adresse

Die Geschäftsstelle der Bischöflichen Aktion Adveniat lehnt eine Stellungnahme zum Protest gegen die Doppelbesetzung von Militärbischof und Adveniat-Beauftragtem der Bischofskonferenz ab. Die Geschäftsstelle unterstehe der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz, sagte der Geschäftsführer des Lateinamerika-Hilfswerks, Prälat Bernd Klaschka, am Rande einer Fachtagung in Mülheim/Ruhr auf Anfrage der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Öffentliche Aufrufe zur Positionierung müssten sich an die zuständige Stelle richten.

Papst Benedikt XVI. hatte den Essener Bischof Franz-Josef Overbeck am vergangenen Donnerstag zum Militärbischof für die Bundeswehr ernannt. Zudem ist Overbeck seit einem Jahr Vorsitzender der „Unterkommission für Kontakte zu Lateinamerika (insbesondere Adveniat)“ der Bischofskonferenz. Sie berief ihn für die Amtsperiode bis zur Herbstvollversammlung 2011.

Die „Christliche Initiative Romero“ hatte Adveniat zu einer Stellungnahme aufgerufen und den Rücktritt Overbecks als „Adveniat-Bischof“ verlangt. Es sei „höchst problematisch“, die Zuständigkeit für die Bundeswehr und das Lateinamerika-Hilfswerk zu kombinieren, so die Menschenrechtsorganisation. Die Bischofskonferenz solle daher bei ihrer nächsten Frühjahrsvollversammlung Mitte März einen neuen Vorsitzenden ihrer Adveniat-Kommission wählen.

Klaschka sagte der KNA, eine mögliche Personalie stehe derzeit überhaupt nicht zur Debatte, sondern frühestens für die Neuwahl der Kommission im Herbst an. Das Hilfswerk arbeite gut und vertrauensvoll mit Overbeck zusammen.

Zur Begründung ihrer Rücktrittsforderung führte die Initiative Romero an, in der jüngsten Geschichte Lateinamerikas habe „die Koalition von Militärs und Teilen der kirchlichen Hierarchie der brutalen Unterdrückung und mörderischen Verfolgung von Volksbewegungen gedient“. Militärseelsorge und kirchliche Solidaritätsarbeit seien deshalb „strikt voneinander zu trennen“.

Bereits 1978 habe „der kirchliche Widerstand“ den damaligen Essener Bischof Franz Hengsbach dazu gedrängt, „das Amt des Militärbischofs aufzugeben, um weiterhin Adveniat-Bischof bleiben zu können“. Hengsbach war von 1961 bis 1978 katholischer Militärbischof; von 1961 bis zu seinem Tod 1991 stand er der Adveniat-Aktion vor. Die in Münster ansässige Menschenrechts-Initiative ist nach dem 1980 ermordeten salvadorianischen Erzbischof Oscar Arnulfo Romero benannt.