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Rückenwind für erneuerbare Energien

Investitionen in die Energiegewinnung aus Wasserkraft, Windenergie und Erdwärme haben durch steigende Erdöl- und Gaspreise in der Region einen enormen Auftrieb erhalten. Costa Rica bezieht bereits 80 Prozent seines Stroms aus erneuerbaren Energien - und andere Staaten wollen nachziehen.

Der Anstieg der internationalen Erdöl- und Gaspreise hat in Zentralamerika Investitionen in erneuerbarere Energien wie Wasserkraft, Windenergie und Erdwärme einen unerhörten Auftrieb verliehen.

Wie José María Blanco von der Umweltschutzorganisation Stiftung Energienetz (BUN-CA) mit Sitz in Costa Rica betont, strebt die Region derzeit die Fertigstellung des Zentralamerikanischen Stromverbindungssystems SIEPAC an.

Das 500 Millionen US-Dollar teure Projekt beinhaltet den Bau einer 1.800 Kilometer langen 230-Volt-Stromübertragungsleitung von Guatemala bis nach Panama, das die Austauschkapazität auf 300 Megawatt verdreifachen wird. Es soll noch in diesem Jahr an den Start gehen.

Costa Rica baut derzeit am Fluss Reventazón, nahe der Atlantikstadt Siquirres, sein bisher größtes Wasserkraftwerk. Das 1,2 Milliarden Dollar teure Projekt hat eine Stromproduktionskapazität von 306,5 Megawatt.

Rege Bautätigkeit in der Region

Im honduranischen Cerro de Hula, 24 Kilometer südlich der Hauptstadt Tegucigalpa, entsteht unter Beteiligung des britischen Energiekonzerns Globeleq und der zentralamerikanischen Firma Mesoamerica Energy ein Windpark, der nach seiner Fertigstellung 102 Megawatt Strom generieren soll. Die Investitionskosten werden auf 1,2 Milliarden Dollar geschätzt.

Wie Roberto Leiva vom Honduranischen Unternehmerrat für nachhaltige Entwicklung (BCSD-Honduras), berichtete, sind in dem Land zudem etliche Wasserkraftwerke im Bau und zwei Erdwärmeanlagen in Planung.

Panama, Nicaragua, El Salvador und Guatemala wollen den Anteil von Wasser-, Solar-, Wind- und Wärmekraft an ihrem Energiemix erhöhen, der zu 80 Prozent von Erdöl dominiert wird. Die gesamte Region hat das Potenzial, mit sauberen Energieträgern mehr als 31.000 Megawatt Strom zu erzeugen. Daran hätte Wasserkraft nach Untersuchungen von BUN-CA einen Anteil von 60 Prozent, Windkraft von 30 Prozent und Erdwärme von zehn Prozent.

Vorzeigeland Costa Rica

Costa Rica ist dasjenige Land der Region, das seine Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen bisher am stärksten reduzieren konnte. Erneuerbare Energien machen bereits mehr als 80 Prozent seines Energiemixes aus, wie Zahlen des staatlichen Stromanbieters ICE belegen.

Nicaragua will Ähnliches erreichen. Dem Land schwebt vor, im Zeitraum 2011 bis 2016 rund 600 Megawatt Strom vorwiegend aus Erdwärmeanlagen in San Jacinto-Tizate im Nordwesten von Nicaragua und Wasserkraftwerken Tumarín in der Ostprovinz Atlántico sowie Larreynaga und HidroPantasma in der nördlichen Provinz Jinotega zu generieren.

Internationaler Druck beschleunigt Entwicklung

El Salvador folgt auf dem Fuß. Das Lokalbüro der Japan International Cooperation Agency (JICA) arbeitet derzeit an einem Masterplan zur Erzeugung von Sonnenenergie, Erdwärme, Biomasse, Wind- und Wasserkraft für die kommenden 15 Jahre. "Der Anstieg der Erdölpreise, aber auch ökologische Gründe, waren der Entwicklung sauberer Energien förderlich, meinte Luis Miguel Vázquez von JICA-El Salvador gegenüber IPS.

Wie Oswaldo García vom guatemaltekischen Energie- und Bergbauministerium erklärte, wird der Umstieg auf erneuerbare Energien nicht zuletzt durch den internationalen Druck beschleunigt, die klimaschädlichen Treibhausgase zu senken. Mit diesem Ziel vor Augen soll der nationale Energiebedarf bis 2022 zu 58,01 Prozent durch Wasserkraft, 41,37 Prozent aus Erdwärme und nur noch zu 0,62 Prozent durch Erdöl abgedeckt werden.

Autor: Danilo Valladares in IPS Weltblick