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Rousseff verurteilt Hass gegen kubanische Ärzte

Staatspräsidentin Dilma Rousseff hat die Reaktion brasilianischer Ärzte gegenüber den rund 400 im Land eingetroffenen kubanischen Ärzten verurteilt. Diese seien "Opfer riesiger Vorurteile" geworden, zitieren brasilianische Zeitungen am Donnerstag, 29. August, Rousseff. Im Rahmen des Programms "Mais Medicos" (Mehr Ärzte) sollen in den kommenden Wochen insgesamt 4.000 Mediziner aus Kuba in abgelegenen und unterversorgten Regionen des Landes ihren Dienst aufnehmen. Brasilianische Ärzte und Verbände wehren sich gegen die Anstellung der Ausländer im öffentlichen Gesundheitssystem.

Auch Rousseffs Vorgänger Luiz Inacio Lula da Silva kritisierte die Reaktionen brasilianischer Ärzte und Verbände als "abscheulich". Lula wörtlich: "Wir werben diese Ärzte an, damit sie in Regionen Dienst tun, in die kein brasilianischer Arzt gehen will." Gesundheitsminister Alexandre Padilha sprach von "Vorurteilen und Rassismus" einiger brasilianischer Ärzte gegenüber den Kollegen aus der Karibik. Auch in sozialen Netzwerken kam es zu Ausfällen gegenüber den meist dunkelhäutigen Medizinern. Eine Journalistin zweifelte die Eignung der kubanischen Ärztinnen an, da diese "eher wie Putzfrauen" aussähen.

Landesweit fehlen mehr als 15.000 Ärzte

Die Entsendung war nötig geworden, weil sich nicht genug brasilianische Ärzte für die offenen Stellen im öffentlichen Gesundheitssystem beworben hatten. Insgesamt fehlen nach Regierungsangaben 15.460 Ärzte landesweit. Eine Anstellung in abgelegenen Regionen wie dem Amazonas-Urwald ist für viele brasilianische Ärzte unpopulär; sie verdienen in privaten Krankenhäusern der Großstädte wesentlich mehr. In einer ersten Bewerbungsrunde konnten so nur rund jede zehnte offene Stelle besetzt werden.

In der nordostbrasilianischen Stadt Fortaleza, wo derzeit 275 ausländische Ärzte an einem Vorbereitungskurs teilnehmen, war es in den vergangenen Tagen zu Anfeindungen gekommen. Brasilianische Kollegen protestierten gegen den Einsatz der Kubaner, buhten diese aus und nannten sie "Sklaven". Sie kritisierten, dass die kubanische Regierung 60 Prozent des von Brasilien bezahlten Gehalts kassiert. Zudem führen sie fehlende sprachliche und fachliche Eignungen an. Ausländische Ärzte müssen vor Dienstantritt an Sprach- und Einführungskursen ins brasilianische Gesundheitssystem teilnehmen. Nicht geeignete Fachkräfte können danach noch abgewiesen werden. Brasilianische Verbände haben bereits gerichtliche Schritte gegen die Anstellung der Kubaner eingeleitet; sie führen fehlende Diplome an.

Die Regierung in Brasilia erklärte, die Ärzte seien von der Panamerikanischen Gesundheitsorganisation (OPAS), einem Organ der Vereinten Nationen, ausgewählt worden. Viele der kubanischen Ärzte haben zuvor bereits an ähnlichen Missionen in Haiti und Venezuela teilgenommen.

Quelle: KNA