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Rousseff senkt Stromtarife

Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff hat gestern die Senkung der Stromtarife angekündigt und eine Rationierung von Energie ausgeschlossen, wie die Nachrichtenagentur TeleSur berichtet. Angesichts von Stromausfällen Ende des vergangenen Jahres, bei denen zum Teil rund 53 Millionen Brasilianer ohne Elektrizität auskommen mussten, war spekuliert worden, dass aufgrund der geringen Produktivität der Wasserkraftwerke eine landesweite Rationierung eingeführt werden müsse.

Ein entsprechendes Dekret zur Strompreissenkung habe Rousseff bereits unterzeichnet. Die Energiekosten für Haushalte sollen demnach um 18 Prozent reduziert werden, die Kosten für Industrie, Handel und Landwirtschaft um bis zu 32 Prozent, so die Präsidentin. Damit wird Strom noch billiger, als bisher vermutet wurde. Die Reduzierung der Energiekosten wurde durch eine Neuverhandlung von Stromkonzessionen und eine Steuersenkung für den Energiesektor erreicht. Rousseff hatte im vergangenen Jahr versprochen, die Stromkosten, die mit 180 US-Dollar pro MW/h zu den höchsten weltweit gehören, zu senken.

Investitionen sollen Stromversorgung sichern

Geringe Niederschlagsmengen in den vergangenen Monaten hatten zu einer drastischen Reduzierung der Wasserreserven von Wasserkraftwerken in Brasilien geführt, inzwischen habe die Regenzeit jedoch begonnen. Rousseff unterstrich, dass ihre Regierung gegenwärtig große Investitionen tätige, um die Energieproduktion in den kommenden 15 Jahren zu verdoppeln. Brasilien „hat und wird jetzt und zukünftig mehr als genug Energie zur Verfügung haben, ohne irgendein Risiko der Rationierung“, so Rousseff.

Das Energieprogramm der Regierung, das unter anderem den Bau von 30 Wasserkraftwerken im Amazonasgebiet vorsieht, ist umstritten. Experten des brasilianischen Instituts für sozioökonomische Studien (Inesc) warfen der Regierung im Juni 2012 vor, bezüglich der Wirtschaftlichkeit der geplanten Kraftwerke einer verhängnisvollen Fehleinschätzung zu unterliegen, weil Umwelt- und soziale Schäden nicht mit einkalkuliert worden seien. Die Industrie hatte angesichts der Ausfälle vom vergangenen Jahr bemängelt, dass zu wenig in die Infrastruktur der Stromversorgung investiert werde. (bh)