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Rios Stadtplaner kritisiert Vertreibungspolitik für Großprojekte

Aufgrund der Bauvorhaben für die anstehenden Großereignisse Fußballweltmeisterschaft (2014) und Olympiade (2016) könnten in Rio de Janeiro bis zu 60.000 Menschen von ihren derzeitigen Wohnorten vertrieben werden. Dies erklärte Carlos Vainer, Professor am Institut für Stadt- und Regionalplanung, am Mittwoch auf einer öffentlichen Anhörung des Kongresses, berichtet die Nachrichtenagentur Púlsar. Ziel der Zwangsumsiedlungen sei es, "das Terrain zu säubern", um Immobilienspekulation für Kundschaft aus der Mittel-und Oberklasse möglich zu machen. Die Umgestaltung des traditionsreichen Maracana-Stadions sei ein Beispiel für diesen Prozess, so Vainer. Der Maracana-Komplex sei nach dem Umbau kein Treffpunkt der Bevölkerung mehr, sondern zu einem Raum für Eliten geworden.

Nach Angaben der Bürgerinitiative zu Fußballweltmeisterschaft und Olympiade in Rio de Janeiro mussten bisher 3.000 Menschen wegen Bauvorhaben für die Großereignisse ihre Häuser verlassen. Die Initiative schätzt, dass weitere 8.000 Familien ein ähnliches Schicksal erwartet. Die von der Menschenrechtskommission des Kongresses organisierte Anhörung fand ohne die Beteiligung von Behördenvertretern statt, die zur Bau- und Wohnungspolitik in Rio de Janeiro hätten Stellung nehmen können.

Rund ein Viertel der insgesamt zwölf Millionen Einwohner Rios lebt in Armenvierteln, den so genannten Favelas. Die jahrelang vom Staat faktisch aufgegebenen Gebiete werden derzeit durch Infrastruktur- und Befriedungsmaßnahmen aufgewertet, wodurch neben einer Verbesserung der Lebensqualität auch ein Gentrifizierungsprozess ausgelöst wurde. Teilweise müssen Häuser und ganze Stadtviertel den geplanten Straßen und Bauten weichen. So will Rio de Janeiro bis zu den Olympischen Spielen im Jahr 2016 beispielsweise die vier Schnellstraßen Transoeste, Transcarioca, Transolímpica und Transbrasil bauen. Allein diesem Vorhaben stehen fast 150 Siedlungen im Weg. (bh)