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Rios Polizeichef nach Richterinnenmord ausgewechselt

Der brutale Mord an der Richterin Patricia Acioli zieht immer größere Kreise in Rio de Janeiros Polizei. Vor wenigen Tagen trat nun der Chef der Policia Militar zurück. Er soll den mutmaßlichen Drahtzieher des Mordes wenige Tage nach dem Mord befördert haben. Bisher wurden elf Angehörige der Policia Militar, der der Landesregierung unterstellten bewaffneten Polizei, wegen des Verdachts auf Beteiligung an dem Mord an Acioli verhaftet. Die Richterin war landesweit wegen ihres Kampfes gegen Korruption innerhalb der Polizei und gegen aus Polizisten bestehende Todesschwadrone bekannt geworden.

Richterin störte illegale Polizeiaktivitäten

Polizeichef Mario Sergio Duarte hatte den ehemaligen Polizeichef des Stadtteils Sao Goncalo, Claudio Luiz Silva de Oliveira, nach der Tat zum Leiter des Polizeidistrikt Mare ernannt. Mit seinem Rücktritt übernehme er die Verantwortung für die Beförderung, so Duarte. Oliveiras soll den Mord geplant haben, da die Richterin die illegalen Aktivitäten seiner untergebenen Polizisten störte. Diese sollen Waffen und Drogen an Banditen verkauft haben.

Patricia Acioli hatte über Monate gegen Polizisten der Wache in Sao Goncalo ermittelt, unter anderem wegen des Mordes an einem elfjährigen Jungen im Juni. Noch wenige Stunden vor ihrer Ermordung hatte sie Haftbefehle gegen vier der Polizisten ausgestellt.

Seit Monaten geplant

Drei von Oliveiras Untergebenen, gegen die Acioli ermittelte, sollen die insgesamt 21 Schüsse aus nächster Nähe auf die Richterin abgegeben haben. Der Mord soll bereits seit Monaten geplant gewesen sein. Zwei Versuche, der Richterin aufzulauern, seien jedoch in letzter Minute gescheitert, bevor man am 11. August schließlich die Mordtat erfolgreich durchführte. An diesem Tage hatte die Richterin gegen 23h in ihrem Wagen das Gerichtsgebäude verlassen. Dabei wurde sie von Polizisten bis zu ihrem Wohnhaus verfolgt. Als sie sich der Garage näherte, umringten die Täter den Wagen und feuerten auf die wehrlose Richterin.

Mehrere Skandale

In Rio de Janeiro war es in den letzten Monaten zu mehreren Skandalen rund um die Policia Militar gekommen. Im August eröffenten Polizisten das Feuer auf einen entführten Omnibus und verletzten dabei fünf Menschen. Anfang September war zudem ein Korruptionsskandal in einer durch eine ständige Polizeipräsenz befriedeten Favela bekannt geworden. Gegen Schmiergeldzahlungen sollen Polizisten die Aktionen von Drogendealern gedeckt haben.

Die Skandale erschüttern das Vertrauen der Bewohner in die Policia Militar, die durch die Befriedung zahlreicher Favelas in den letzten Jahren zuletzt an Ansehen gewonnen hatte. Ein Nachfolger für den zurückgetretenen Duarte soll in den nächsten Tagen benannt werden.

Thomas Milz, Sao Paulo