Guatemala |

Rios Montts Anwalt will Einstellung des Verfahrens

Ex-Diktator Rios Montt (2. v.l.) 2008. Foto: jacobo mogollon, CC BY-SA 2.0
Ex-Diktator Rios Montt (2. v.l.) 2008. Foto: jacobo mogollon, CC BY-SA 2.0

Zwei Tage vor Beginn eines neuen Völkermordprozesses gegen Guatemalas Ex-Diktator Efrain Rios Montt hat dessen Verteidigung die endgültige Einstellung des Verfahrens beantragt. Als Begründung nannte Rechtsanwalt Jaime Hernandez laut der Tageszeitung "La Hora" (Montag) den Gesundheitszustand des inzwischen 89 Jahre alten Angeklagten. Anfang Juli war Rios Montt von Gerichtsmedizinern für verhandlungsunfähig erklärt worden.

Durch einen Militärputsch als General kam Rios Montt im März 1982 an die Macht. In seiner nur 15 Monate dauernden Amtszeit übte er eine Schreckensherrschaft aus und erwarb sich den Beinamen eines "Schlächters der Indios". So machten einem UN-Bericht zufolge seine Schergen 448 Dörfer dem Erdboden gleich.

Vor zwei Jahren wurde Rios Montt wegen Völkermords und Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu 80 Jahren Haft verurteilt. Doch das Verfassungsgericht hob das Urteil wegen angeblicher Verfahrensfehler auf. Den Anwälten Rios Montts gelang es, ein neues Verfahren zu verhindern. In dieser Woche sollte ein neuer Anlauf unternommen werden.

Rios Montt, als Präsidentschaftskandidat eines Mitte-Links-Bündnisses gescheitert, kämpfte später mit Rückendeckung der USA gegen kommunistische Guerillas. Weil er die Maya beschuldigte, die Guerilla-Verbände zu unterstützen, wurden Tausende Indigene getötet. Auch als Pastor und Prediger für eine evangelikale Gemeinschaft war Rios Montt aktiv. Seine Diktatur wurde von rivalisierenden Militärs abgelöst.

Der Bürgerkrieg in Guatemala zählt zu den brutalsten Konflikten in der Geschichte Lateinamerikas. Während der 36 Jahre bis zu einem Friedensschluss im Dezember 1996 kamen Schätzungen zufolge mindestens 200.000 Menschen gewaltsam ums Leben. 83 Prozent davon waren Angehörige der indigenen Maya-Bevölkerung. Schätzungsweise 1,7 Millionen Menschen flohen vor Gewalt und Unterdrückung.

Quelle: KNA
Foto: jacobo mogollon, CC BY-SA 2.0