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Rio will Drogensüchtige zum Entzug zwingen

Rio de Janeiros wiedergewählter Bürgermeister Eduardo Paes plant eine Offensive gegen die Droge Crack. Abhängige Erwachsene sollen demnächst zwangsweise in Entziehungsheime eingewiesen werden, wie die brasilianische Presse am 23. Oktober berichtet hat. Bislang geschehe dies nur mit minderjährigen Süchtigen. Um den Plan des Bürgermeisters umzusetzen, sollen bis Jahresende im Schnellverfahren 600 neue Entzugsplätze geschaffen werden, hieß es.

Er werde nicht tatenlos zusehen, wie sich die Crackabhängigen zugrunde richten, kündigte Paes laut den Berichten bei einer Veranstaltung an. Sie hätten "keine Kontrolle über sich, können keine Entscheidungen treffen", so der Bürgermeister. Daher sei eine Zwangseinweisung notwendig. Unterstützung erhielt er von der Anwaltsvereinigung der Stadt. Auch wenn eine Zwangseinweisung die individuellen Rechte der Betroffenen infrage stelle, sollte sie trotzdem angewandt werden, wird deren Präsident Wadih Damous zitiert.

Seit Anfang 2011 lässt die Stadtverwaltung bereits drogensüchtige Kinder und Jugendliche zur Behandlung zwangseinweisen. Dabei handelt es sich meist um Straßenkinder. Bislang wurden den Berichten zufolge 690 Minderjährige eingewiesen. In Rio gibt es demnach bislang sechs spezialisierte Heime mit insgesamt 178 Plätzen.

Im gleichen Zeitraum seien auf den Straßen der Acht-Millionen-Einwohner-Stadt rund 4.400 Erwachsene aufgelesen und eingewiesen worden. Für sie stünden insgesamt 538 Heimplätze zur Verfügung. Anders als die Minderjährigen wurden Erwachsene jedoch bislang nicht zu einer Behandlung gezwungen, so dass die meisten Eingelieferten die Heime schnell wieder verließen.

Quelle: KNA