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Rio de Janeiro plant Abriss von Favelas

In der brasilianischen Millionenmetropole kommt es immer wieder zu Erdrutschen, die Menschen unter Trümmern und Erdmassen begraben. Vor allem die Armenviertel der Großstadt sind davon betroffen. Die informellen Wohnviertel, die sich in den vergangenen Jahren immer weiter ausgebreitet haben, liegen häufig an Hängen. Die Häuser sind selten befestigt. Aus diesem Grund hat die lokale Regierung Rios nun beschlossen, bis zum Ende des Jahres 2012 insgesamt 12.196 Häuser in besonders gefährdeten Regionen abzureißen. Die betroffenen Personen erhalten, laut des Sekretariats für Wohnungsbau, Unterstützung von der Regierung, um eine neue Immobilie zu kaufen. Das genaue Vorgehen ist allerdings noch unklar und wird bis Anfang Februar ausgearbeitet.

„Operation Olympische Reinigung“?


Die Favelas sind jedoch nicht nur besonders häufig von Erdrutschen geplagt, sondern gelten auch als gefährlichste Wohngegenden der Welt. Drogenhandel und Kriminalität gehören für die knapp eine Million Bewohner der Slums zum Alltag. Aus diesem Grund sind die Wohnviertel der Regierung ein Dorn im Auge- und das besonders, seit entschieden ist, dass 2014 die Fußballweltmeisterschaft und 2016 die Olympischen Spiele in Brasilien stattfinden werden. Im Oktober des vergangenen Jahres wurde der Plan „Rio 2016“ veröffentlicht. Er sieht eine ganze Reihe Veränderungen für die Metropole vor, bevor die Spiele beginnen. Dazu gehörte auch ursprünglich schon das Entfernen von Favelas, die sich auf einer Fläche von 2,34 Millionen Quadratkilometer erstrecken. Daher sehen viele die jüngsten Pläne in Bezug auf die informellen Stadtviertel eher im Zeichen der „Operation Olympische Reinigung“ und nicht als Maßnahme zum Schutz der Bewohner der Elendsviertel.

Die brasilianische NGO Catcomm (Catalytic Communities) protestiert gegen das Vorgehen der Politiker und setzt sich schon seit zehn Jahren für einen anderen Ansatz in Bezug auf die Favelas ein. Die Organisation fordert die Eingliederung der informellen Wohnsiedlungen in die Stadt Rio statt dem immer weiter fortschreitenden Ausschluss. Sie kritisiert außerdem, dass auch viele Viertel verschwinden sollen, die als friedlich gelten, aber den Bauplänen für die Olympiade im Weg sind. Derzeit bemüht Catcomm sich um Gelder, die es ermöglichen, die Problematik in der ganzen Stadt publik zu machen. So soll ein Mitspracherecht für die Betroffenen erwirkt werden. Es ist auch davon auszugehen, dass es spätestens dann zu Unruhen kommen wird, wenn die ersten Räumungen beginnen.

Text: Anna-Maria Jeske