Kolumbien |

Rigoberta Menchú setzt sich für Indigenenführer ein

Rigoberta Menchú wuchs während des Bürgerkriegs in Guatemala auf, dem ihre Familie zum Opfer fiel. Sie selbst musste fliehen. Für ihre Menschenrechtsarbeit erhielt sie den Friedensnobelpreis. Foto: ANDES/Micaela Ayala V., CC BY-SA 2.0
Rigoberta Menchú wuchs während des Bürgerkriegs in Guatemala auf, dem ihre Familie zum Opfer fiel. Sie selbst musste fliehen. Für ihre Menschenrechtsarbeit erhielt sie den Friedensnobelpreis. Foto: ANDES/Micaela Ayala V., CC BY-SA 2.0

Die guatemaltekische Friedensnobelpreisträgerin Rigoberta Menchu hat die Freilassung eines in Kolumbien inhaftierten Indigenenführers gefordert. Im Blick auf die Gefängnisstrafe von Feliciano Valencia, der im September wegen der Entführung eines Militärs zu 18 Jahren Haft verurteilt worden war, sagte sie am Mittwoch, 21. Oktober 2015, laut der Tageszeitung "Vanguardia", in Kolumbien würden führende Vertreter der indigenen Bevölkerung stigmatisiert.

Menchu sagte, sie fordere die Freilassung Valencias, "weil ich ihn und seine Arbeit kenne". In Kolumbien dürfe nicht nur publikumswirksam der Friedensprozess gefeiert werden; man müsse auch ein Ende der Diskriminierung, des Rassismus und des Ausschlusses der indigenen Bevölkerung vorantreiben. Rigoberta Menchu, geboren 1959 in Guatemala, erhielt 1992 als damals jüngste Preisträgerin für ihre Menschenrechtsarbeit den Friedensnobelpreis.

Quelle: KNA, Foto: ANDES/Micaela Ayala V., CC BY-SA 2.0

 

Guatemalas Bürgerkrieg

Der Bürgerkrieg in Guatemala zählt zu den brutalsten Konflikten in der Geschichte Lateinamerikas. Er dauerte 36 Jahre und endete am 29. Dezember 1996 mit dem Abschluss eines Friedensvertrags zwischen rechtsgerichteter Regierung und Rebellenvereinigung URNG. In dieser Zeit wurden Schätzungen zufolge mindestens 200.000 Menschen getötet, 83 Prozent davon Angehörige der indigenen Maya-Bevölkerung. Geschätzt 1,7 Millionen Menschen flohen vor Gewalt und Unterdrückung.

Hintergrund des Konflikts waren Versuche einer Landreform in den 1950er Jahren, die nach 1954 durch das US-gestützte Regime unterdrückt wurden. Damit wurden die Interessen des US-amerikanischen Konzerns "United Fruit Company" gewahrt, der in Guatemala 162.000 Hektar Land zum Anbau von Chiquita-Bananen besaß. Spätestens ab 1975 richtete sich die Staatsmacht planvoll vor allem gegen die ländlichen Maya-Regionen, unter dem Vorwand, die Guerilla finde dort Unterstützung.

Als die Zeit der "violencia", der besonders ungehemmten Gewalt, gingen die Jahre 1978 bis 1985 in die Geschichte des mittelamerikanischen Landes ein. Allein in den 15 Monaten unter dem Diktator Efrain Rios Montt begingen Militärs 600 Massaker und zerstörten in einer "Politik der verbrannten Erde" etwa 100 Dörfer. 17.000 Menschen wurden in diesem Zeitraum getötet, Hunderttausende flohen.

Im April 1998 legte die katholische Kirche einen offiziellen Untersuchungsbericht zur "Wiedererlangung des historischen Gedächtnisses" (REMHI) vor. Zwei Tage später wurde der wichtigste Protagonist der Studie, Weihbischof Juan Gerardi Conedera, von Angehörigen der Armee ermordet.

Aus dem REMHI-Bericht geht hervor, dass mehr als 90 Prozent der Morde auf Armee, Paramilitärs und Zivilpatrouillen (PAC) zurückgehen. Für etwa 9 Prozent war demnach die Guerilla verantwortlich. Allein für die Hochland-Provinz Quiche führt der Bericht für die Zeit des Bürgkriegs 31.400 Verhaftungen, 13.728 Tote, 2.157 "Verschwundene", 3.207 Fälle von Folter und 4.039 Attentate auf. Auf Entschädigung warten die allermeisten Opfer bis heute.

Quelle: KNA