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Revolte im Gefängnis endet nach 27 Tagen

In Venezuela ist eine Häftlingsrevolte nach 27 Tagen zu Ende gegangen. Mehr als 1.000 Insassen der Strafvollzugsanstalt El Rodeo 2 rund 30 Kilometer östlich der Hauptstadt Caracas ergaben sich der Militärpolizei, die einen Sicherheitskordon um das Gefängnis gezogen hatte.

Auslöser der Gefangenenproteste war ein Militäreinsatz zur Beendigung eines Bandenkriegs in der benachbarten Haftanstalt El Rodeo 1 gewesen. Er hatte am 13. Juni 22 Menschen das Leben gekostet. Bei dem Einsatz der Militärpolizei wurden ein Militär und zwei Häftlinge getötet sowie 22 Personen verletzt. Später wurden bei einer Durchsuchung der Haftanstalt Automatikgewehre, Flinten, Pistolen, Revolver und Granaten gefunden. Erwartet wird, dass auch die Razzia in El Rodeo 2 ein mindestens ebenso umfangreiches Waffenlager zutage fördert.

Haftanstalten in Häftlingshand

Menschenrechtsorganisationen reagierten erleichtert auf den unblutigen Ausgang der Revolte. Damit sei aber die Krise in den 34 venezolanischen Haftanstalten längst nicht gelöst, warnte Carlos Nieto von der Gefangenenhilfsorganisation ´Ein Fenster in die Freiheit´. Dem Aktivisten zufolge sind fast alle Gefängnisse in der Hand von Häftlingen, die sich mit Hilfe korrupter Strafvollzugsbeamten Waffen, Drogen, Alkoholika, Mobiltelefone und andere unerlaubten Gegenstände beschaffen können.

Die venezolanische Regierung hatte 2006 einen Fünfjahresplan zur Humanisierung des venezolanischen Strafvollzugs gestartet, der jedoch in Insiderkreisen als gescheitert gilt. Das im letzten Monat angekündigte Strafvollzugsministerium ist aus der Planungsphase bisher nicht herausgekommen. Auch die neue Behörde soll das Strafvollzugssystem des südamerikanischen Landes aus der Krise führen und die Lebensbedingungen hinter Gittern verbessern.

Doch bisher spottet die Situation in den Haftanstalten jeder Beschreibung. So sind die für insgesamt 14.500 Häftlinge ausgelegten Haftanstalten mit 45.000 Insassen hoffnungslos überbelegt und somit Brutstätten von Kriminalität und Gewalt. 476 Häftlinge kamen im letzten Jahr ums Leben. Im ersten Quartal 2011 starben 121 Gefangene. Die meisten der Opfer waren im Zuge bewaffneter Auseinandersetzungen getötet worden.

Autor: Humberto Márquez (IPS)