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Regionaler Ansatz im Umweltschutz notwendig

Gonzalo Pineda, Direktor eines chilenischen Projekts zur Biodiversität, das vom Umweltministerium in Santiago mitgetragen wird, beklagt, dass der Umweltschutz in seinem Land im Grunde auf dem Stand der Washington-Konvention aus dem Jahr 1940 verharrt. Diese hatte Chile erst 1967 ratifiziert, das Abkommen beeinflusste in der Folge die Vorstellungen über Naturschutz. Heute sei ein anderer Ansatz erforderlich, so Umweltexperte Pineda. Die Frage der Nachhaltigkeit spiele eine wichtige Rolle, und man müsse die regionalen Gegebenheiten herausarbeiten. Am stärksten sei die Biodiversität dort bedroht, wo wirtschaftliche Aktivitäten entfaltet würden.

Gesetzgebung für das 21. Jahrhundert

Derzeit beschäftigt sich Chiles Kongress mit einer Gesetzesvorlage, die, so Pinedas Hoffnung, zu einem regionalen System von Schutzgebieten führt. Staat und Privatwirtschaft müssten vor Ort zusammenarbeiten. Nach Ansicht von Flavio Liberona, Direktorin der Umweltorganisation Terram, erlaubt das Gesetzesprojekt es, erstmals in Chile überhaupt von Biodiversität sprechen zu können. Die Gesetzgebung müsse auf den Stand des 21. Jahrhunderts gebracht werden, fordert Terram.

Die Umweltexperten weisen darauf hin, dass Chile aufgrund seiner ungewöhnlichen Geographie – das Land ist fast 4.300 km lang, die durchschnittliche Breite beträgt aber nur knapp 200 km – eine besonders heterogene ökologische Struktur aufweise. Diese bedürfe entsprechender Regulierungen. Das chilenische Hoheitsgebiet umfasst 8.000 Meter tiefe Meeresgräben, die Andengipfel erreichen eine Höhe von fast 7.000 Metern. Chile – das sind Regionen, in denen so wenig Niederschlag fällt wie an wenigen anderen Orten der Erde, aber auch solche, die bei den jährlichen Regentagen weltweit zur Spitzengruppe zählen. Anders als vielleicht zu erwarten wäre, folgt hieraus aber keine ausgeprägte Biodiversität.

Artenvielfalt im südamerikanischen Vergleich gering

Einer Studie zufolge erreicht die Vielfalt von Fauna und Flora nicht jene vieler anderer südamerikanischer Länder. Während zum Beispiel in Chile rund 450 Vogelarten beheimatet sind, werden in Kolumbien 1.700 gezählt. Auf der anderen Seite hat die isolierte Lage – nicht unähnlich der einer Insel – dazu geführt, dass sehr viele Arten ausschließlich in Chile vorkommen.

Letztlich geht es um den Schutz von Naturschätzen, die zum allergrößten Teil noch überhaupt nicht bekannt sind. Experten gehen davon aus, dass 98 Prozent der in Chile vorkommenden Arten erst noch entdeckt und beschrieben werden müssen.

Quelle: www.elmostrador.cl/noticias/pais/2012/02/21/la-proteccion-de-la-biodiversidad-en-chile/, deutsche Bearbeitung: Bernd Stößel