Chile |

Regierung will das Wort Diktatur aus Schulbüchern streichen

Zahlreiche Studenten haben am 12. Januar in der chilenischen Hauptstadt Santiago de Chile gegen eine geplante Lehrplanänderung protestiert. Die Bildungskommission des südamerikanischen Landes hatte Ende vergangenen Jahres in einer Sondersitzung beschlossen, den Term Diktatur in Lehrbüchern der Grundschule durch das Wort Militärregime zu ersetzen. Auch das Wort Putsch soll in Zukunft nicht mehr verwendet werden. Stattdessen wird es nun Machtübernahme heißen. Die Kommission wolle so den Grundschülern die Tatsachen der Herrschaft von Agosto Pinochet ausgewogener vermitteln.

Die Demonstranten trugen mehrere Plakate mit den einzelnen Buchstaben des Worts Diktatur vor sich her, welche sie immer wieder in eine andere Reihenfolge brachten. Es sei die Dekontextualisierung des Worts Diktatur seitens der Regierung gewesen, welche die Protestanten damit verdeutlichen wollten. „Wir wollten diese ungeordnete Form des Wortes zum Protest gegen das Bildungsministerium einsetzen, was mit seiner Entscheidung, unserer Meinung nach, die Bedeutung dessen, was während der Diktatur geschehen ist, in eine andere Richtung lenken möchte“, erklärte einer der Organisatoren des Protestes Paz Arrieta im Anschluss an die Demonstration.

Der neue chilenische Bildungsminister Harald Beyer betonte, dass die Entscheidung in einem Prozess zu Stande gekommen sei, an dem viele Pädagogen teilgenommen haben und bei dem alle Instanzen ordnungsgemäß mit einbezogen wurden. „ Wir werden mit dem Wort Militärregime einen allgemein anerkannten Terminus einführen“, erläutert Beyer nach der Entscheidung vor der chilenischen Presse. (aj)