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Regierung umgeht Vorschriften

São Paulo. Nach monatelangem Zögern hat Brasiliens Umweltbehörde IBAMA dem umstrittenen Staudamm Belo Monte in der Amazonasregion zugestimmt. Laut Presseberichten vom Dienstag soll das Projekt am Rio Xingu, einem über 1.980 Kilometer langen Zufluss des Amazonas, im April öffentlich ausgeschrieben werden. Unterdessen kündigte die Staatsanwaltschaft des Bundesstaates Para, in dem der Bau entstehen soll, eine Klage gegen die Erteilung der Umweltlizenz an.

Gegen den gut 20 Milliarden Real (7,8 Milliarden Euro) teuren Staudamm hatten Umweltschützer, Vertreter von indigenen Gemeinden und die katholische Kirche heftig protestiert. Der aus österreich stammende Bischof von Xingu, Erwin Kräutler, sprach sich mehrmals öffentlich gegen das Projekt aus, da dieses der Region "Chaos und Tod" bringen würde. Vor allem bemängelte der Bischof, entgegen der Verfahrensvorschriften seien betroffene Gemeinden nicht öffentlich angehört worden. Kräutler nannte den Baubeschluss eine "autoritäre und diktatorische" Geste der Regierung. Er kündigte an, sich am Mittwoch mit IBAMA-Präsident Roberto Messias treffen zu wollen.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wurde lediglich in vier der elf betroffenen Städte die Meinung der Bewohner eingeholt. Zudem seien die Umweltverträglichkeitsstudien von Firmen durchgeführt worden, die sich an der Ausschreibung der Bauvorhaben beteiligen wollten. Die Staatsanwaltschaft von Para hatte seit 2001 bereits acht Klagen gegen den Staudamm erhoben.

Mit 11.200 Megawatt wäre Belo Monte nach dem Itaipu-Damm das zweitgrößte Wasserkraftwerk Brasiliens. Bereits in den 1970er Jahren wurde mit der Planung des Projektes begonnen. Damals war vorgesehen, insgesamt 4.500 Quadratkilometer Urwald zu fluten. Das jetzt genehmigte Projekt sieht nur noch eine Staufläche von 500 Quadratkilometern vor. Nach dem Willen der Regierung soll Belo Monte bis 2015 ans Netz gehen.

Quelle: kna