Brasilien |

Regierung überdenkt Atomkraft

In einem viel beachteten Interview hat sich der Chef des staatlichen Instituts für Energieplanung über mögliche Veränderungen in der Atomkraft-Politik des Schwellenlandes geäußert. Es sei „wenig wahrscheinlich“, dass die aktuelle Regierung von Präsidentin Dilma Rousseff bis 2030 wie zuvor angedacht vier neue Atomkraftwerke bauen werde, erklärte Mauricio Tolmasquim der Nachrichtenagentur Reuters zu Wochenbeginn.

Auch wenn der Energieplaner der Regierung keine exakten Aussagen über die Zahl künftiger Atomkraftwerke machen wollte zeigte sich der Berater auffällig kritisch gegenüber der Atomkraft. Die Baupläne „sind von uns nicht aufgegeben“, so der Energieexperte. Die Reaktorkatastrophe im japanischen Fukushima habe die hohen Sicherheitsrisiken offenkundig gemacht, darum habe man mögliche Vorhaben „noch nicht wieder aufgenommen“. Bisher seien auch keine internationalen Ausschreibungen für Atomkraftwerke unternommen worden, erläuterte der Institutschef im Gespräch.

Die Aussagen von Tolmasquim, der während der Amtszeit von Dilma Rousseff als Energieministerin von Brasilien ihr enger Berater war, fallen auf einen Zeitpunkt, in dem Brasilia verstärkt über die künftige Energieplanung des Riesenlandes nachdenkt. „Das ist der Moment der Windkraft“, so Tolmasquim weiter. Die „Kostenrevolution“ habe die saubere Energie zu einer wichtigen Alternative zu Atomstrom gemacht. Bisher hat Brasilien, das wegen seines Wirtschaftswachstums einen gestiegenen Energiebedarf hat, zwei Atomkraftwerke im Bundesstaat Rio de Janeiro. Ein drittes soll 2018 in Betrieb gehen. (bb)