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Regierung stellt Archive der Folterpolizei online

Anlässlich des 49. Jahrestags des Militärputsches in Brasilien hat die Regierung des Bundesstaates Sao Paulo Archivmaterial aus Polizeibeständen online gestellt. Laut Medienberichten handelt es sich dabei um die Archive der Behörde für öffentliche Ordnung (DOPS), die während der Diktatur (1964-1985) tausende Brasilianer festgenommen, verhört und gefoltert hat. Mit der Veröffentlichung kommt die Landesregierung einem Bundesgesetz von 2012 nach, das die Offenlegung von Archivmaterial der brasilianischen Behörden fordert.

Insgesamt sind 274.000 Karteikarten und rund 13.000 Polizeiberichte online einzusehen. Dabei handelt es sich den Angaben zufolge um etwa zehn Prozent des Archivmaterials. "Dies ist erst der Anfang," zitiert die Zeitung "O Estado de S. Paulo" den Projektleiter Carlos Bacellar. "Die Digitalisierung geht weiter, und im Laufe der nächsten Jahre werden wir das komplette Material online stellen."

Die "Behörde für politische und soziale Ordnung" (DOPS) war 1983, rund zwei Jahre vor Ende der Diktatur, geschlossen worden. Experten gehen davon aus, dass damals belastendes Material vernichtet wurde. So fehlt in den Unterlagen jeder Hinweis auf Polizeiinformanten und Kollaborateure. Auch ist nicht ersichtlich, ob und wie viele Personen durch die DOPS ermordet wurden.

Die Landesregierung Sao Paulo kommt mit der Veröffentlichung des Archivmaterials den Anforderungen eines im vergangenen Jahr erlassenen Informationsgesetzes nach. Dieses verpflichtet sämtliche Behörden, Bürgern freien Zugang zu Dokumenten zu gewähren. Unter Experten war anlässlich der Verabschiedung des Informationsgesetzes diskutiert worden, ob die Unterlagen nicht unter die gesetzlichen Geheimhaltungsklauseln fallen. Diese sollen Staatsgeheimnisse schützen. Im Zuge der ebenfalls im vergangenen Jahr eingerichteten Wahrheitskommission, die Menschenrechtsvergehen während der Diktaturzeit untersucht, wurden jedoch zahlreiche Archive geöffnet, darunter einige des Militärs.

Quelle: KNA