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Regierung startet U-Boot-Aufrüstung

Brasiliens Staatspräsidentin Dilma Rousseff gibt an diesem Samstag (16.7.) den Startschuss für eine eigene U-Boot-Produktion des Landes. Vier konventionelle und ein Atom-U-Boot sollen mit Hilfe französischer Technologie erstmals in einer brasilianischen Werft gebaut werden, wie die brasilianische Presse am Freitag berichtet. Die U-Boot-Produktion ist Teil einer strategischen Militärpartnerschaft zwischen Frankreich und Brasilien, die 2008 vom damaligen Staatspräsidenten Luiz Inacio Lula da Silva und seinem französischen Partner Nicolas Sarkozy unterzeichnet wurde.

Bei den U-Booten handelt es sich den Berichten zufolge um die französische Scorpene-Klasse, wobei insgesamt gut 36.000 Einzelteile von brasilianischen Firmen geliefert werden sollen. Während die vier konventionellen U-Boote dieselelektrisch angetrieben werden, soll ein fünftes Boot mit Atomenergie betrieben werden. Brasilien wäre damit erst das sechste Land weltweit nach den USA, China, Frankreich, Großbritannien und Russland, das über ein Atom-U-Boot verfügt.

Kritiker werfen der Regierung in Brasilia vor, angesichts massiver sozialer Probleme zu viel öffentliche Gelder in Rüstungsprojekte zu stecken. Nach Regierungsangaben sollen die Boote die Off-Shore-ölplattformen im Atlantik beschützen.

Für die Produktion wird laut den Berichten eigens eine Werft in der Nähe von Rio de Janeiro errichtet. Die Fertigstellung des ersten konventionellen U-Bootes werde für 2016 erwartet; das Atom-U-Boot solle 2023 in Dienst gestellt werden. Während Brasilien für die konventionellen Boote angeblich umgerechnet rund 415 Millionen Euro pro Stück bezahlt, soll die nukleare Variante zwei Milliarden Euro kosten. Die Gesamtinvestitionen in das U-Boot-Programm werden auf umgerechnet 9 Milliarden Euro geschätzt.

Einem Zeitungsbericht zufolge lag der brasilianischen Regierung auch ein Angebot aus Deutschland mit wesentlich geringeren Kosten für den Transfer der U-Boot-Technologie vor. Aufgrund der 2008 beschlossenen strategischen Partnerschaft habe sich Brasilien jedoch für den Kauf der französischen Blaupausen entschlossen.

Im Rahmen der brasilianisch-französischen Rüstungsvereinbarung hat Brasilia bereits 50 Kampfhubschrauber in Paris bestellt. Zudem will die Regierung 36 französische Jets im Gesamtwert von 5,4 Milliarden Euro bestellen. Allerdings sind die Verhandlungen seit zwei Jahren gestoppt, da Brasiliens Militär an der Wirtschaftlichkeit der Jets zweifelt und den Kauf US-amerikanischer oder schwedischer Jets prüft.

Quelle: kna