Chile |

Regierung macht Mapuche für Waldbrände verantwortlich

Mit Sorge und Empörung haben Mapuche-Vertreter auf die Vorwürfe der Regierung reagiert, dass Mapuche-Indígenas für die schweren Waldbrände verantwortlich seien, bei denen Anfang des Jahres mehr als 50.000 Hektar Wald und Weideflächen im Süden des Landes vernichtet wurden. Bisher kamen neun Menschen durch die Brände ums Leben.

Drohung mit Anti-Terror-Gesetz

Präsident Sebastián Piñera hatte anlässlich von Beileidsbekundungen zum Tod von sechs Feuerwehrleuten erklärt, man habe gesicherte Informationen, dass Kriminelle für die Taten verantwortlich seien. Man werde das noch aus der Pinochet-Diktatur stammende Anti-Terror-Gesetz gegen die Verantwortlichen der Brände anwenden, denn hinter der vermuteten Brandstiftung würden sich terroristische Absichten verbergen.

Innenminister Rodrigo Hinzpeter hatte zuvor erklärt, man könne davon ausgehen, dass die CAM für die Brände verantwortlich sei, da sie sich zur Verantwortung für das Abfackeln eines Löschhubschraubers bekannt hatte. Die Mapuche-Gruppe CAM veröffentlichte am Dienstag jedoch eine Erklärung ihres inhaftieren Anführers Hector Llaitul, in der sie dieser Darstellung entschieden widerspricht und jede Verantwortung für den Brand in der Region Araucania zurückweist.

Kriminalisierung statt Anteilnahme

“Wenn solch bedauerliche Dinge wie diese Brände geschehen, bei denen sieben unserer Kameraden starben, denn es handelt sich um unsere Söhne, schickt man den Innenminister hierher, der, anstatt hier seine Anteilnahme zu äußern und sich um die Untersuchung der Vorfälle zu kümmen, darauf aus ist, unverzüglich das Anti-Terror-Gesetz anzuwenden und das Volk der Mapuche für die Vorfälle verantwortlich zu machen“, zitiert „El Dínamo“ den Vorsitzenden der landesweiten Mapuche-Vereinigung Admapu, Santos Millao.

Das noch aus der Pinochet-Diktatur stammende Anti-Terror-Gesetz ermöglicht die Verhängung wesentlich höherer Strafen, die Aussagen anonymer Zeugen und bis zu zwei Jahre Untersuchungshaft. Mit Hungerstreiks hatten politische Mapuche-Gefangene 2010 und 2011 gegen die Anwendung des Anti-Terrorgesetzes in ihren Fällen protestiert.

Mapuche befürchten Militarisierung

Natividad Llanquileo, die während der Hungerstreiks als Sprecherin einiger Inhaftierter fungierte, erklärte, die Regierung versuche mit den Anschuldigungen eine Militarisierung der Region Araucaria durchzusetzen. Sie bezeichnete die Vorwürfe als „absurd“, man befinde sich seit zwei Jahren in Gesprächen mit den Gemeinden, um Konflikte zu lösen. (bh)