Bolivien |

Regierung klagt gegen Nachrichtenagentur

Boliviens Regierung hat Strafantrag wegen Verleumdung und Diffamierung gegen die unabhängige Nachrichtenagentur "Agencia de Noticias Fides" (ANF) angekündigt. Das bestätigte Regierungsminister Carlos Romero der staatlichen Nachrichtenagentur ABI.

Romero beschuldigte die von Jesuiten gegründete Agentur, Staatspräsident Evo Morales in einem in der vergangenen Woche veröffentlichten Beitrag in "vorsätzlicher, skrupelloser, unethischer, feiger und hinterlistiger Art" diffamiert zu haben. Dem Radiosender Panamericana sagte Romero, ANF verfolge eine Kampagne, die auf Lügen und Verleumdungen basiere und dem Ruf Präsidenten schaden solle. Die Regierung prüfe derzeit noch, auf welcher juristischen Basis eine Klage erfolgen könne.

ANF hatte in einem Beitrag berichtet, Morales habe die Faulheit der Menschen für den Hunger im Osten des Landes verantwortlich gemacht. Dem widersprach Kommunikationsministerin Amanda Davila entschieden. ANF veröffentlichte inzwischen eine Gegendarstellung.

Ohne auf den konkreten Fall einzugehen, kritisierte Kardinal Julio Terrazas das Vorgehen der Regierung: "In jüngster Zeit drohen sie der ganzen Welt, sie ins Gefängnis zu stecken und für Gerechtigkeit zu sorgen." Boliviens Presseverband (ANP) verwies auf die bisherige Praxis, dass Beschwerden über die journalistische Arbeit von internen Gremien geprüft und gegebenenfalls sanktioniert würden. Antonio Vargas, Präsident des lokalen Presseverbands La Paz (APLP), verurteilte den Versuch, die Presse einzuschüchtern. ANF wurde nach eigenen Angaben im August 1963 von dem Jesuiten Jose Gramunt de Moragas als erste Nachrichtenagentur des Landes in La Paz gegründet.

Quelle: KNA