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Regierung greift in La Oroya durch

Weiß verätzt vom sauren Regen glänzen die Berge im peruanischen La Oroya auf fast 4.000 Meter Höhe. 15 Jahre lang durfte die Firma Doe Run Peru die Luft dort ungestört verschmutzen. Nun hat der peruanische Staat dem einen Riegel vorgeschoben.

Die Gläubigerversammlung der bankrotten Firma, mit dem peruanischen Staat als Hauptgläubiger, hat in der vergangenen Woche den Restrukturierungsplan der Firmenleitung abgelehnt. Die 90 Jahre alte Hüttenanlage im peruanischen La Oroya gilt als eine der zehn am meisten verschmutzten Industriestädte weltweit. Das sagt nicht nur das US-amerikanische Blacksmith Institute. Der Erzbischof von Huancayo und Vorsitzende der Sozialkommission der Lateinamerikanischen Bischofskonferenz, Pedro Barreto, ebenso wie die Presbyterianische Kirche der USA machen seit Jahren darauf aufmerksam, dass in La Oroya das Recht auf Gesundheit der Bewohner der Kleinstadt massiv gefährdet ist.

Besonders gilt der Einsatz der Kirchen den Kindern und Müttern, die unter der bleihaltigen Luft am meisten zu leiden hatten. Der Fall La Oroya ist ein Lehrstück darüber, wie gewiefte Investoren 15 Jahre lang einen schwachen Staat übertölpeln und die Rechte der Arbeiter gegen das Recht auf Gesundheit ausspielen konnten. 1997 kaufte die US-amerikanische Renco-Group/Doe-Run das sanierungsbedürftige Hüttenwerk von der damaligen Staatsfirma Centromin, und zwar mit der Auflage die Anlage umwelttechnisch aufzurüsten.

Obwohl die Geschäfte mit dem aus den umliegenden Bergwerken angelieferten Kupfer, Blei, Zink und Gold besser als je zuvor liefen, meldete die Firma 2008 Konkurs an. Grund: Alle Gewinne wurden an den Besitzer in den USA abgezweigt, und unter dem Vorwand der fehlenden Liquidität erreichte die Firma Doe Run mehrmals einen Aufschub für die eigentlich verpflichtende Umweltsanierung vom Staat.

Die Betreiberfirma hatte wichtige Verbündete, die die Regierung dazu brachten, immer wieder einzuknicken: die 3.000 Arbeiter, die eisern zu ihrer Firma hielten, weil sie nur die Wahl hatten zwischen der Umweltbelastung und dem Erhalt ihrer festen, relativ gut bezahlten Arbeitsplätze. Dazu kommt die strategische Lage an der einzigen Hauptstraße von Lima in die Getreide- und Gemüsekammern der Hauptstadt. Wenn die Arbeiter von Doe Run streikten, blockierten sie einfach die Hauptverkehrsader. Mehr als ein paar Tage hielt das bisher keine Regierung durch.

Die Auseinandersetzungen zwischen Arbeitern einerseits und den Umweltschützern der Kirchen andererseits wurden zum Teil gewalttätig. Noch im letzten Monat erhielten Mitarbeiter von Erzbischof Barreto Morddrohungen auf ihre Handys. Dennoch, oder gerade deswegen, gilt die erste Sorge des Erzbischofs dem Wohl der Arbeiter von La Oroya: "Wir haben uns immer für eine Gesamtlösung eingesetzt, die sowohl die Umwelt als auch die Würde der Arbeiter im Blick hat", verkündete er einen Tag nach Bekanntgabe der Gläubigerentscheidung.

Dass der peruanische Staat den Forderungen der Betreiberfirma Doe Run nicht mehr nachgegeben hat, kam überraschend: Doe Run hatte zum Schluss gefordert, dass der Staat die Verantwortung für eine in den USA eingereichte Schadensersatzklage bleiverseuchter Kinder aus La Oroya gegen Doe Run übernehmen solle. Außerdem verklagte des Unternehmen die Regierung wegen Wettbewerbsbenachteiligung vor dem Schiedsgericht der Weltbank. Damit war sowohl für die Regierung Humala wie auch für die peruanische öffentlichkeit Doe Run als Betreiber nicht mehr haltbar.

Die Gläubigerversammlung hat nun eine laufende Liquidation eingeläutet. Innerhalb der nächsten 6 Monate soll der Betrieb wie gehabt weitergehen und ein neuer Investor gesucht werden. Aber auch Doe Run kann einen neuen Restrukturierungsplan einreichen.

Quelle: Hildegard Willer, KNA

Pedro Barreto, der Erzbischof von Huancayo, vor der Bleihütte von Oroya. Foto: Pohl/Adveniat.