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Regierung gibt Abrisspläne für Indio-Museum auf

Der Gouverneur des Bundeslandes Rio de Janeiro hat den geplanten Abriss des ehemaligen "Indigenen Museums" zurückgenommen, wie Agenturen am 28. Januar berichteten. Das neben dem Maracana-Stadion im Zentrum von Rio gelegene historische Gebäude sollte eigentlich einem Shopping-Center und Parkplätzen weichen. In den letzten Wochen hatten Organisationen der Zivilgesellschaft gegen die Pläne protestiert und damit für große Aufmerksamkeit in den internationalen Medien gesorgt.

Gouverneur Sergio Cabral will das Gebäude nun unter Denkmalschutz stellen lassen und renovieren, so die Medienberichte. Allerdings ist nicht bekannt, ob in dem Gebäude tatsächlich ein Kulturzentrum der indigenen Bevölkerung eingerichtet wird, wie in den Medien spekuliert wurde. Die gut 40 Indigenen, die seit Oktober 2006 in dem Gebäude leben, hatten sich hierfür eingesetzt. Die Regierung besteht allerdings darauf, dass die Indigenen das Grundstück verlassen. Ihnen wurden alternative Unterkünfte angeboten. Ob die Indigenen dieser Forderung nachkommen, ist noch offen. Laut Justizvertretern haben sie nach über sechs Jahren Aufenthalt in dem verlassenen Gebäude dort Wohnrecht.

Am 26. Januar hatte ein Gericht den geplanten Abriss durch die Polizei untersagt. Bisher ist noch unklar, ob die weiteren Abrisspläne rund um das Maracana aufrecht erhalten bleiben. So soll ein Schwimm- sowie ein Leichtathletikstadion abgerissen werden. Zudem soll eine öffentliche Schule weichen, die zu den besten des Bundeslandes zählt.

Zuerst hatte die Regierung argumentiert, dass die FIFA den Abriss der Gebäude und Einrichtungen verlange. Nachdem der Fußballweltverband dies jedoch verneint hatte, begründete die Regierung den Abriss mit der Notwendigkeit, breitere Zugangswege zum Stadion schaffen zu müssen. Vertreter der Zivilgesellschaft glauben, dass die Entfernung der Gebäude Teil des Privatisierungsplanes für das Stadion ist. Derzeit arbeitet die Regierung Pläne aus, das öffentliche Stadion an einen privatwirtschaftlichen Verwalter abzutreten. Die öffentliche Ausschreibung hierzu soll im Februar veröffentlicht werden. Der deutsch-brasilianische Milliardär Eike Batista gilt als Favorit für den Zuschlag.

In dem 1862 errichteten Gebäude des "Museu do Indio" wohnten von Mitte bis Ende des 19. Jahrhunderts Angehörige der ehemaligen Kaiserfamilie Brasiliens. Ab 1915 diente es als Sitz der ersten Schutzbehörde für Indigene, SPI, einem Vorläufer der derzeitigen Behörde für die indigenen Belange, FUNAI. Von 1953 bis 1977 war es Sitz des "Indigenen Museums", bevor dieses in den südlichen Stadtteil Botafogo verlegt wurde. Bis zur Besetzung durch die Indigenen im Oktober 2006 stand es leer und verfiel. (tm)