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»Mutter Erde« erstmals auf Rio+20-Agenda

Auf der Staatenkonferenz der Vereinten Nationen über nachhaltige Entwicklung (UNCSD) Mitte Juni im brasilianischen Rio de Janeiro wird erstmals international über das andine Konzept der »Mutter Erde« und die damit verbundenen Rechte beraten. Medienberichten zufolge ist es der bolivianischen Verhandlungsführung im Rahmen der G77+China-Staaten gelungen, den Begriff im offiziellen Vorschlag des Bündnisses der Entwicklungsstaaten zu verankern.

Laut Boliviens Rio+20-Verhandlungschef René Orellana sei das Thema »Mutter Erde« auf einem Vorbereitungstreffen in New York/USA in die Agenda eingeflossen, »eine Formulierung, welche seine Wichtigkeit unterstreicht«, sagte Orellana dem Radiosender Erbol. Zwar sind die Verhandlungen über die Endversion des G77+China-Papiers noch nicht abgeschlossen. Mangels strenger Regeln zur Texteingabe wird der bolivianische Vorschlag auf der UNCSD-Konferenz in sechs Wochen wohl erstmals die Bühne internationaler Diplomatie betreten.

Nach Monaten der Gespräche sei es Bolivien »mit Vorschlägen und durch Zusammenarbeit mit allen Ländern der G77+China« gelungen, die andine Vorstellung von Pachamama und Buen Vivir als ein neues strategisches Paradigma einzuführen, schreibt Orellana in einem Internetblog. »Das Dokument wird die Sicht der Welt auf Natur und Entwicklung verändern«, so Orellana aus New York. Für die Entwicklungsländer steht die Beendigung der Armut im Mittelpunkt nachhaltiger Entwicklung, die ärmsten Länder der Welt fordern das Recht auf Entwicklung ein. Schon Ende 2011 hatte Brasiliens UNCSD-Verhandlungsführer André Corrêa do Lago stellvertretend für die Entwicklungsländer die »Ent-Umweltpolitisierung« des Nachhaltigkeitsdiskurses und mehr Anstrengungen für Armutsbekämpfung gefordert.

Das Menschenrecht auf Wasser, Harmonie mit der Natur, eine holistische Weltsicht, Nahrungssicherheit, Anerkennung der Rolle indigener Völker für die Bewahrung von Saatgut, Agro-und Biodiversität und ihrer Rechte, Schutz der Berge vor Klimawandelfolgen, Reform der globalen Finanzarchitektur, Wandel nichtnachhaltiger Konsum- und Produktionsstrukturen und »Anerkennung und Respekt der Existenz verschiedener Modelle, Visionen, Politiken und Instrumente auf der Grundlage der Souveränität jedes Staates« sind weitere Forderungen aus dem linksregierten Bolivien. Angesichts globaler Umwelt,- Wirtschafts- und Sozialkrisen müsse anerkannt werden, dass allein »marktbasierte Wachstumsstrategien unzureichend und kein Garant für sicheres und gerechtes Wachstum sind und die Probleme von Armut, Gesundheit, Bildung und Arbeit nicht lösen«, so Orellana. (bb)