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Rangliste der Pressefreiheit: Lateinamerika verschlechtert sich

Die Weltkarte zur "Rangliste der Pressefreiheit 2019" (Foto: Reporter ohne Grenzen)

Die Nichtregierungsorganisation "Reporter ohne Grenzen" hat die diesjährige "Rangliste der Pressefreiheit" veröffentlicht. Die Rangliste vergleicht die Situation für Journalistinnen, Journalisten und Medien in 180 Staaten und Territorien. Die Situation in Lateinamerika hat sich erheblich verschlechtert. Lateinamerika verzeichnet gemeinsam mit Nordamerika im Vergleich den größten Abstieg.

Hetze, fehlendes Vertrauen und Angriffe gegenüber Medienschaffenden: Letztes Jahr ging es noch bergauf für Lateinamerika, dieses Jahr jedoch steil bergab. Der größte Absteiger in der Region ist Nicaragua. 24 Plätze fällt das Land in der diesjährigen Rangliste, von Platz 90 im Jahr 2018 auf 114. Seit den Protesten 2018 hat die Regierung Ortega Journalisten eingeschüchtert, attackiert und verhaftet. Eine ähnlich schlechte Situation für Journalistinnen und Journalisten herrscht in Venezuela vor. Das Land belegte Platz 143 im letzten Jahr und fiel dieses Jahr weitere fünf Plätze. Das Schlusslicht in Lateinamerika ist weiterhin Kuba mit der zwölfschlechtesten Platzierung der gesamten Rangliste auf Nummer 169, auch wenn es dieses Jahr drei Plätze nach vorne ging. Der kleine Fortschritt ist durch den verbesserten Internetzugang für die Bevölkerung entstanden. Die Mitarbeiter der NGO kritisieren außerdem den Umgang des bolivianischen Präsidenten Evo Morales mit der Presse. Er zensiere und lasse Journalistinnen und Journalisten nach kubanischem Vorbild verstummen. 

Selbstzensur ein Problem

Den zweitgrößten Absturz, mit 15 Plätzen, erleidet El Salvador. Ähnlich wie in den Nachbarländern Guatemala und Honduras ist das Land geprägt von Gewalt und Korruption. Dies führe zu viel Selbstzensur der Medien aus Angst vor Übergriffen, analysieren die Experten der NGO. In Mexiko werden weltweit - außerhalb von Kriegsregionen - weiterhin die meisten Journalistinnen und Journalisten ermordet. Das Verhältnis zwischen Presse und Politik hat sich seit dem Amtsantritt von Präsident Lopez Obrador jedoch verbessert.

Im flächenmäßig größten Land Lateinamerikas entspannt sich das Verhältnis zwischen Präsident und Medien nicht, im Gegenteil: Der Wahlkampf von Brasiliens neuem Präsidenten Jair Bolsonaro war geprägt von Desinformation und Hetze gegenüber Journalistinnen und Journalisten. Das Land fällt im Ranking um drei Plätze auf Nummer 105 und steht kurz davor auf die "rote Liste" der Länder abzurutschen, in denen die Pressefreiheit ernsthaft bedroht ist.

Lateinamerikas Spitzenreiter

Der strahlende Sieger in diesem Ranking ist in Lateinamerika weiterhin Costa Rica. Das Land bleibt in der Top 10, es gibt keine Veränderung zum letztjährigen zehnten Platz. Auch Uruguay steht gut dar und verbessert sich um einen Rang auf Platz 19. Bronze geht an Surinam, das direkt hinter Uruguay ebenfalls einen Platz aufsteigt und nun die Top 20 betritt. 

Die gesamte Rangliste ist hier zu finden, eine englischsprachige Analyse zu Lateinamerika hier, zudem wird auf der Seite die Methodik und der Fragebogen erklärt. (aw)