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Prozess gegen Generäle wegen Drogenhandel

Sechs Jahre nach Beginn des Drogenkriegs in Mexiko haben die Kartelle auch die Streitkräfte infiltriert. Am Mittwoch erhob die Staatsanwaltschaft Anklage gegen sechs ranghohe Offiziere, denen Zusammenarbeit mit dem Drogenkartell der Beltrán Leyva vorgeworfen wird. Unter den Angeklagten ist auch der ehemalige Staatssekretär im Verteidigungsministerium, Tomás Angeles Dauahare, sowie drei weitere Generäle. Zwei von ihnen waren in den Bundesstaaten Colima und Morelos stationiert – beides Drogenumschlagplätze. Sie befanden sich seit Mai in Untersuchungshaft. Es ist das erste Verfahren gegen ranghohe Militärs wegen Drogenhandel unter Präsident Felipe Calderón und ein herber Schlag für dessen Strategie, die im wesentlichen auf dem Einsatz der Streitkräfte beruht. Die Polizei gilt als völlig infiltriert und wird deshalb kaum in Anti-Drogen-Operationen eingesetzt.

Die Festgenommenen gehören dem Heer an und wurden aufgrund der Aussagen eines Kronzeugen und eines festgenommenen Untergebenen inhaftiert. Diese hatten der Staatsanwaltschaft offenbar stichhaltige Beweise übergeben, wonach die Generäle Schmiergelder von Drogenkartellen angenommen haben, um diese nicht zu behelligen. Einer der Geldgeber war Edgar Valdés Villarreal alias „Barbie“, der vor zwei Jahren festgenommen wurde und möglicherweise ebenfalls im Gegenzug für Strafmilderung geplaudert hat. Das Verteidigungsministerium erklärte, keinen Gesetzesbruch zu dulden, egal wie hoch ein Uniformierter in der Hierarchie stehe oder ob er aktiv oder im Ruhestand sei.

Angeles war zu Beginn des Drogenkriegs zwischen 2006 und 2008 Staatssekretär im Verteidigungsministerium, wurde dann aber offiziell wegen Rivalitäten mit seinem Vorgesetzten abgelöst. Ricardo Escorcia kommandierte die Einheit in Morelos und soll nach Angaben der US-Anti-Drogeneinheit DEA einem Drogenflugzeug von Beltrán Leyva die Landung in Morelos erlaubt und die Entsendung von Soldaten so lange herausgezögert haben, bis die Ladung abtransportiert war. Die DEA arbeitet nun mehr mit der Marine zusammen, die als verlässlicher gilt. Die Ehefrauen der Festgenommenen warfen den Behörden vor, Verbrechern mehr Glauben zu schenken als denjenigen, die ihr Leben liessen, um sie zu bekämpfen. Dauahares Anwälte kritisierten, ihre Entlastungsbeweise seien von der Staatsanwaltschaft nicht einmal angenommen worden.

Es wäre nicht das erste Mal, das Generäle mit den Drogenkartellen paktieren. Der berühmteste Fall war wohl der Anti-Drogen-Zar Jesús Gutiérrez Rebollo, der 1997 festgenommen und wegen Zusammenarbeit mit dem Juarez-Kartell zu 31 Jahren Haft verurteilt wurde. Untergebene haben in vertraulichen Gesprächen mit dieser Zeitung immer wieder Misstrauen gegenüber ihren Vorgesetzten deutlich gemacht.

Text: Sandra Weiss, Puebla