Guatemala |

Prozess gegen Efraín Rios Montt wieder aufgenommen

Nach einer fast zweiwöchigen Unterbrechung wurde der Völkermordprozess gegen den ehemaligen guatemaltekischen Diktator Efraín Rios Montt vorerst wieder aufgenommen. Der Prozess wurde am 19. April von der Richterin Carol Flores wegen Verfahrensbeschwerden der Verteidigung ausgesetzt und das Verfassungsgericht angerufen. Das Gericht hat nun die Zulassung weiterer Beweise der Verteidigung angeordnet. Ob es tatsächlich zu einer Verurteilung kommen wird, bleibt aber weiter unklar, denn es stehen nach wie vor sechs Verfahrensbeschwerden aus.

Die Annullierung und die vorgesehene Rücksetzung des Verfahrens auf den Stand vom November 2011 hatten sowohl nationalen als auch internationalen Protest ausgelöst. Dies hätte die komplette Beweisausnahme mit den Aussagen von über hundert Zeugen zunichte gemacht. Mehrere Menschenrechtsgruppen hatten die Wiederaufnahme des Prozesses gefordert. Die Präsidentin der Internationalen Liga für Menschenrechte (FIDH), Souhayr Belhassen, bezeichnete die Annullierung des Verfahrens als eine schwerwiegende Verletzung der Rechte der zahlreichen Opfer.

Der Prozess gegen den 86-jährigen Montt gilt in Guatemala als historischer Schritt Richtung Aufklärung und Aufarbeitung einer der brutalsten Diktaturen in Lateinamerika. Zwar war Rios Montt lediglich ein gutes Jahr während des 34 Jahre andauernden Bürgerkries, der schätzungsweise 200.000 Menschen das Leben kostete, an der Macht. Seine Herrschaft gilt aber als eines der dunkelsten Kapitel der Geschichte des mittelamerikanischen Staates. Allein in der Zeit, in der Montt regierte, kamen offiziellen Zahlen zufolge 17.000 Guatemalteken, hauptsächlich indigenen Ursprungs, in 600 Massakern ums Leben. (aj)