Chile |

Proteste wegen Mord an jungem Mapuche

Nachdem am vergangenen Dienstag in Rayen Mapu (Ercilla) der 26-jährige Mapuche Rodrigo Melinao mit einem Schuss in den Brustkorb ermordet aufgefundenen worden war, hat es in der Hauptstadt Santiago de Chile an mehreren Orten Protestkundgebungen gegeben. Dies berichtet die Nachrichtenagentur TeleSur.

Die Familie von Melinao hatte gegenüber Menschenrechtsvertretern erklärt, sie halte die dort stationierte Polizei für die Täter. Angehörige des Opfers hatten den katholischen Pater der Gemeinde, Francisco Millán, als Vertrauensperson gebeten, den Prozess der Identifikation und Autopsie des Getöteten zu begleiten, um Vertuschung zu vermeiden.

Militarisierte Mapuche-Region

Melinao war wegen angeblicher Brandstiftung von Forstflächen in der Region zu fünf Jahren Haft verurteilt worden, befand sich aber nach einer Nichtigkeitsklage der Verteidigung auf freiem Fuß. Er hinterlässt eine Witwe und zwei Kinder.

In der wegen Auseinandersetzungen um Landrückforderungen der Mapuche stark militarisierten Region gibt es nachts stundenweise Ausgangssperren. Es seien ständig bewaffnete Polizeipatrouillen unterwegs, die auch schießen würden, so Pater Francisco gegenüber Pressevertretern. Seitens der Gemeinde gebe es kein Vertrauen zu den Polizisten, „zudem haben sie nicht gut reagiert“, zitiert die TeleSur den Pater.

Regierung verspricht vollständige Aufklärung

Wie Soledad Molinet Huechucura von der Stiftung "Instituto Indígena" gegenüber Adveniat mitteilte, lehnte die Staatsanwaltschaft die Bitte der Angehörigen ab, dass Pater Francisco als Vertrauensperson der Autopsie beiwohne. Auch später eintreffenden Polizisten der Kriminalpolizei, die Fotos von der Leiche hätten machen sollen, sei der Zutritt verwehrt worden.

Die Regierung hat inzwischen angekündigt, den Mord „vollständig aufzuklären“ zu wollen, wie Innenminister Chadwick gegenüber Medienvertretern erklärte.

Die Stiftung, Pater Francisco und das Nationale Institut für Menschenrechte (INDH) begleiten und unterstützen die Familie des Getöteten, um die Gewährung ihrer Rechte als Opferangehörige sichern zu helfen, so Molinet. (bh)