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Proteste von Wohnungslosen in São Paulo

Die Vereinigung der Wohnungslosen von São Paulo (UMM) forderte bei einer Demonstration vor dem Rathaus der Stadt das schnellere Umsetzen von politischen Maßnahmen. Etwa zwei Millionen Menschen leben in der größten Stadt Südamerikas São Paulo auf der Straße. Als Reaktion auf die Proteste vom 26. Juli wurde ein Termin mit dem Bürgermeister Anfang August vereinbart.

Wohnungsbauprogramme nicht umgesetzt

Nach Angaben der Koordinatorin der UMM, María das Graças Xavier, verzögere die Stadt schon seit zwei bis drei Jahren soziale Projekte für Wohnungslose. In der Mega-City mit 10,8 Millionen Einwohnern hätten im Rahmen des Programms „Mi Casa, Mi Vida“ (Mein Haus - Mein Leben) 2.020 Wohneinheiten gebaut werden sollen, so die Koordinatorin. „Bisher hat man mit dem Bau noch nicht einmal begonnen. Das ist absurd!“, kritisierte das Graças.

Die Bewegung der Wohnungslosen schlägt ein beschleunigtes Verfahren für die Genehmigung von sozialen Programmen zur Schaffung von Wohnraum vor. Innerhalb von maximal 90 Tagen sollte demnach künftig eine Entscheidung getroffen werden.

Ein großes Problem für die Obdachlosen seien die derzeit sechs bis acht Räumungen pro Woche im Zusammenhang mit den Vorbereitungen auf die Fußballweltmeisterschaft im Jahr 2014 sowie die Olympischen Spiele 2016. Die UMM fordert einen unverzüglichen Stopp der Vertreibung von Wohnungslosen. Sollte eine Räumung unvermeidlich sein, müsse Wohngeld gezahlt und die Betroffenen bei der Lösung des Wohnungsproblems von den Behörden unterstützt werden. Auch sollten die Ämter dabei Frauen besser unterstützen, die häufig Haushaltsvorstände in obdachlosen Familien sind.

Streichung von Selbsthilfeprogramm in der Kritik

Kritisiert wurde von der Obdachlosenbewegung zudem die Streichung eines Selbsthilfeprogramms. „Die Selbsthilfe zur Schaffung von Wohnraum ist die effektivste Maßnahme für Wohnungslose. Wir können dadurch nicht nur Wohnungen schaffen, sondern auch neue Gemeinschaften und ein Sozialleben aufbauen", so die UMM in einem an den Bürgermeister gerichteten Schreiben.

Die UMM will ungeachtet des Termins mit dem Bürgermeister weiter Druck machen: "Wir werden solange kämpfen, bis São Paulo eine Stadt ist, die all ihren obdachlosen Einwohnern eine würdige Wohnung garantiert“, erklärt die Vereinigung in ihrem Protestbrief. (bh)

Quelle: Adital