Haiti |

Proteste legen Hauptstadt lahm

Hunderte Protestierende haben seit dem Morgen des 23. April Teile der haitianischen Hauptstadt Port au Prince lahm gelegt. In mehreren Haupt- und Zufahrtsstraßen der Millionenmetropole wurden Blockaden aufgestellt. Teilweise zündeten die Beteiligten Autos an. Busse konnten in den betroffenen Stadtteilen nicht verkehren, die Schulen sowie Geschäfte blieben den kompletten Tag geschlossen und teilweise waren auch Schüsse zu hören. Auslöser für die gewalttätigen Ausschreitungen war der Mord an dem Polizisten Walky Calixte, der vergangene Woche in seinem Auto erschossen wurde.

Die Ausschreitungen in Port-au-Prince werden von lokalen Medien als Ausdruck der generellen Unzufriedenheit über die zunehmende Gewalt in der haitianischen Hauptstadt gewertet. Seit Beginn des Jahres sind in dem Inselstaat nach Angaben der bischöflichen Kommission für Gerechtigkeit und Frieden 190 Menschen erschossen worden - eine Zunahme um knapp 30 Prozent im Vergleich zum selben Zeitraum im Jahr 2011. Auch die nationale Menschenrechtskommission äußerte sich besorgt über die Situation. „Es scheint jeden Tag Fälle von Morden, Entführungen und Schießereien zu geben, während die Behörden die angemessenen Maßnahmen nicht finden“, so die Kommission.

Der Staatsanwalt gab zu Beginn dieser Woche bekannt, dass die Ermittlungen im Falle des Mordes an Walky Calixte in vollem Gange sind. Die Proteste in der Hauptstadt wurden bereits am Montagabend wieder eingestellt. Dienstagmorgen wurde ein weiter Polizist tot aufgefunden. Auch er wurde erschossen. (aj)