Bolivien |

Proteste gegen die endgültigen Ergebnisse der Volkszählung

In fünf von neun Regionen Boliviens haben die Bewohner Proteste gegen die endgültigen Ergebnisse des Ende 2012 durchgeführten Zensus angekündigt. In einigen Städten wurde bereits demonstriert. So gingen beispielsweise die Einwohner der Stadt Tarija auf die Straße, da die Einwohnerzahl der Gemeinde um ca. 26.0000 nach unten korrigiert wurde. Auch in Cochabamba und Chuquisaca gab es erste Proteste. In Santa Cruz, dem wirtschaftlichen Zentrum des südamerikanischen Landes, wurde angekündigt, die Korrektur der Einwohner um 120.000 nach unten genauestens zu überprüfen. Die Bewohner fordern eine erneute, regionale Volkszählung des Departements Santa Cruz. Die Stadt galt nach den ersten Ergebnissen im Januar dieses Jahres als größte Boliviens und löste damit La Paz ab. Den jüngsten, korrigierten Zahlen zufolge ist es nun umgekehrt. La Paz bleibt mit 50.000 Einwohnern mehr als Santa Cruz die Gemeinde des Landes, in der die meisten Menschen leben.

Der Zensus von 2012 hat weitreichende Folgen in Bolivien. An diesen Zahlen orientiert sich die genaue Aufteilung der Wahlbezirke, die eine große Rolle bei den Präsidentschaftswahlen im kommenden Jahr spielen könnte. Weiterhin ist es in der bolivianischen Gesetzgebung vorgesehen, dass sechs Monate nach einer Volkszählung ein neuer Fiskalpakt vorgelegt werden muss. Dieser regelt die Verteilung der finanziellen Ressourcen des Landes auf die einzelnen Gemeinden und richtet sich nach den Einwohnerzahlen. Die Regierung von Präsident Evo Morales verurteilte die geplanten Proteste. Sie kündigte an, den vorgesehenen landwirtschaftlichen Zensus im September oder Oktober, trotz der Einwände, durchführen zu wollen. Mehrere Gemeinden hatten gefordert, diesen so lange zu verschieben, bis die Zahlen der Volkszählung überprüft und bestätigt worden sind. (aj)