Brasilien |

Proteste am Unabhängigkeitstag

Zahlreiche Brasilianer haben die Feierlichkeiten zum Unabhängigkeitstag am 07. September genutzt, um zu demonstrieren. Sie forderten von der Regierung weiterhin eine Verbesserung des Sozialsystems sowie ein Ende der Korruption. In Rio de Janeiro störten rund 200 Protestler die Militärparade mit Schlachtrufen gegen die Regierung. Auch in der Hauptstadt Brasilia kam es im Anschluss an die Unabhängigkeitsfeier zu Protesten und Ausschreitungen. Die Polizei setzte Tränengas gegen die Demonstranten ein. Viele Teilnehmer beklagten sich über das harte Vorgehen der Sicherheitskräfte gegen die Menschen. Sie hätten die Protester nicht verwarnt, sondern umgehend Gewalt angewendet, berichteten mehrere Augenzeugen.

Bei ihrer Rede in Brasilia zeigte die Präsidentin Dilma Rousseff Verständnis für die Proteste: „Es gibt in Brasilien immer noch viel zu tun und es sei sehr wichtig, bestimmte Probleme umgehend in Angriff zu nehmen. Die Bevölkerung hat das Recht Änderungen einzufordern“, so das brasilianische Staatsoberhaupt. Rousseff wies aber auch darauf hin, dass Brasilien in den letzten Jahren so viele Fortschritte gemacht habe, wie nie zuvor.
Die Proteste am Unabhängigkeitstag sind letzte Ausläufer der Massendemonstrationen der brasilianischen Bevölkerung im Juni dieses Jahres. Wochenlang gingen Millionen Brasilianer auf die Straße, um ihre Unzufriedenheit über die Politik der Regierung zu verdeutlichen. Die Proteste richteten sich vor allem gegen die Misswirtschaft im Zusammenhang mit den Milliardenausgaben für die Fußball-WM im kommenden Jahr sowie die Olympischen Spiele 2016. Viele Demonstranten sahen ein Ungleichgewicht in den hohen Ausgaben für die Großereignisse und der bis heute sehr schlechten sozialen Infrastruktur des südamerikanischen Landes. Auch die ausufernde Korruption wurde von den Protestlern kritisiert. (aj)